Bestimmt kennen Sie das: Anstehende Aufgaben werden sofort erledigt. Lange sollen sie nicht liegen bleiben – was weg ist, das ist schließlich weg. Doch vielleicht haben Sie auch schon einmal beobachtet, dass Sie auf diese Weise den Feierabend verpassen. Sie bleiben länger im Büro, sind sogar am Wochenende fleißig und verkürzen den wohlverdienten Urlaub. Eventuell sind Sie damit per Definition bereits ein Workaholic. Doch Vorsicht, die Sucht nach Arbeit kennt nicht nur Vorteile.

Sind Sie ein Workaholic?

Was man genau unter der Arbeitssucht versteht, wurde selbst unter Psychologen nie abschließend geklärt. Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Fähigkeit der Menschen, mit äußeren Einflüssen wie Druck und Stress umzugehen. Was der einen Person eine Last, ist ihrem Gegenüber vielleicht eine Lust. Ein hohes Pensum an Leistung muss daher nicht schlecht sein. Immerhin gelten Einsatz und Engagement als Grundsäulen einer erfolgreichen Karriere. Wo aber liegt die Grenze zu einem Verhalten, das Körper und Seele schadet? Die etwas unpräzise Grundregel lautet: Wer mehr als 60 Stunden in der Woche für die Arbeit aufwendet, gilt als Workaholic.

Die Merkmale der Arbeitssucht

Ob Sie selbst oder einer Ihrer Kollegen als Workaholic bezeichnet werden darf, lässt sich aber nicht alleine an der reinen Zahl der Arbeitsstunden ablesen. Vielmehr muss sich dafür das gesamte Verhalten einer Person dem Job unterordnen. So wird auf Schlaf verzichtet, Pausen werden verkürzt, Freunde und Familie sind bestenfalls Randfiguren im Alltag des Betroffenen. Fragen Sie sich ehrlich: Arbeiten Sie, um zu leben – oder leben Sie, um zu arbeiten? Je mehr der Beruf zum Lebensinhalt reift, desto eher ist von einer Arbeitssucht auszugehen. Höchstleistungen und beste Ergebnisse stellen dann die Faktoren dar, an denen sich das Wohlbefinden einer Person messen lässt.

Wenn Leistung zur Krankheit wirdWenn Leistung zur Krankheit wird

Wer im Job mehr erreichen will, muss auch mehr leisten. Doch der Einsatz sollte nicht dazu führen, seine Gesundheit für den Beruf zu opfern. Wer sich die notwendigen Pausen, die Entspannung und den Schlaf nicht gönnt, büßt an Leistungsfähigkeit ein. Im ersten Schritt neigen die Betroffenen zu Fehlern. Ein Umstand, der meist dadurch kompensiert wird, noch intensiver arbeiten zu wollen. Der damit betretene Negativkreislauf wird nicht als solcher erkannt. Die Auswirkungen für sich selbst sowie für das berufliche oder private Umfeld will und kann der Workaholic nicht mehr sehen. Der eigene Lebensinhalt wird nur noch durch den Job definiert.

Ein Ende ist nicht in Sicht

Neben der reinen Tätigkeit muss man aber auch die Psyche des Leidenden betrachten. Zwar mag er das Büro nach Feierabend verlassen haben – die Probleme des Berufes quälen ihn oft aber ohne Unterlass. Selbst simple Fragen nehmen im Bewusstsein des Betroffenen eine dominante Stellung ein, das Lösen von anstehenden Herausforderungen zieht sich nicht selten wie ein roter Faden durch die eigenen Träume. Ein echtes Ende der Arbeit wird nicht vollzogen – und ist für einige Workaholics auch gar nicht vorstellbar. Der Moment, in dem ein Schlussstrich unter der Tätigkeit erfolgen müsste, wird als Selbstaufgabe, als Rückschritt und sogar als existenzielle Bedrohung angesehen.

Das Leiden wird nicht wahrgenommen

Der Arbeitssüchtige erkennt sein Manko nicht selbst. Das Geleistete fühlt sich für ihn gut an. Er zieht daraus Kraft und Energie, ebenso die Bestätigung seines vermeintlich starken Charakters. Insbesondere, wenn sich mit dem höheren Pensum an Engagement der berufliche Erfolg einstellt. Macht, Geld, das Umsetzen eigener Visionen – kleine Belohnungen, die wie eine Droge auf das Bewusstsein eines Menschen einwirken und die ihm das Verlassen des eingeschlagenen Weges deutlich erschweren. Zumal eine weitere Bestätigung aus dem Munde der Kollegen und der Vorgesetzten nicht lange auf sich warten lassen dürfte. Der Workaholic wird in seinem Vorgehen bestärkt, warnende Stimmen treten nur selten auf.

Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit

Das Leben besteht nicht nur aus ArbeitBetroffene müssen lernen, eine Balance aus dem beruflichen und dem privaten Alltag herzustellen. Je tiefer sie bereits in die Arbeitssucht eingetaucht sind, desto schwerer und langwieriger fällt der Prozess des Erkennens jedoch aus. Eine positive Unterstützung durch die Familie, durch Freunde und Kollegen kürzt den Weg indes ab. Daneben ist es wichtig, anstehende Aufgaben zu delegieren. Auch wenn es schwerfallen mag, sich nicht um alles selbst zu kümmern – die Fähigkeit des Loslassens muss man lernen. Ebenso gilt es, das eigene Wohlbefinden nicht ausschließlich von der Arbeit abhängig zu machen. Sorgen Sie also dafür, dass Freunde und Familie, dass Feierabend und Urlaub immer einen festen Platz in Ihrem Leben haben.