Für einen Großteil der Arbeitnehmer ist der Urlaub die wohl schönste Zeit des Jahres. Dabei hängt der Urlaubszeitpunkt von vielen Faktoren ab. Die Schulferien der Kinder, die Urlaubsplanung des Partners sowie die Wetterlage am Reiseziel sind nur einige Beispiele, die in diesem Zusammenhang zu nennen sind. Sobald der Mitarbeiter einen geeigneten Zeitraum gefunden hat, kann er seinen Urlaubswunsch beim Vorgesetzten beantragen. Für gewöhnlich steht der Genehmigung nichts im Weg. Aber was passiert, wenn Sie ausgerechnet in diesen Wochen nicht auf Ihren Angestellten verzichten möchten und über eine Urlaubssperre nachdenken? Wenn auch Sie vor diesem Problem stehen, sollten Sie die folgenden Absätze aufmerksam lesen.

Wann kann die Unternehmensleitung eine Urlaubssperre verhängen?

Oftmals herrscht Personalmangel, wenn in der Firma zahlreiche Kollegen zur gleichen Zeit erkranken oder ein unerwarteter Großauftrag das Auftragsbuch füllt. Plötzlich stapelt sich die Arbeit und weder die Kollegen noch Sie möchten auch nur auf eine helfende Hand verzichten. In diesen Phasen ist die Geschäftsleitung berechtigt, gemäß § 7 des Bundesurlaubsgesetzes Urlaubsanträge der Arbeitnehmer abzulehnen und wegen dringender betrieblicher Belange eine Urlaubssperre zu verhängen. Jedoch gibt es hier eine Ausnahme: In Unternehmen mit Betriebsrat muss selbiger dem Ganzen zustimmen. Tut er das nicht, ist die Urlaubssperre nicht rechtens. Dabei muss die Sperre nicht frühzeitig bekannt gegeben werden, da sie im Allgemeinen aufgrund von unerwarteten, plötzlich auftretenden Ereignissen notwendig wird. Darüber hinaus gilt es zu beachten, dass auch allgemeine Regelungen und Grundsätze rund um das Thema Urlaub von Unternehmerseite mit dem Betriebsrat abzustimmen sind.

Die RechtslageDie Rechtslage

Wie bereits erwähnt, richtet sich die Rechtmäßigkeit der Urlaubssperre nach § 7 des Bundesurlaubsgesetzes – kurz: BUrlG. Danach sind die Urlaubswünsche des Angestellten bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs zu berücksichtigen. In erster Linie bedeutet das, dass Sie den vorschriftsmäßig gestellten Urlaubsantrag in dem vom Arbeitnehmer gewünschten Zeitraum genehmigen müssen. Allerdings sieht die Sache anders aus, wenn dringende unternehmerische Belange oder Kollegen, welche unter sozialen Gesichtspunkten Vorrang haben, dem Urlaubswunsch entgegenstehen. Im Wesentlichen besagt dieser Paragraf, dass ein Ausgleich zwischen den Interessen des Arbeitgebers, des Arbeitnehmers sowie der Belegschaft untereinander geschaffen werden soll.

Dringende betriebliche Gründe: Was fällt in die Rubrik?

Diese liegen stets dann vor, wenn die Arbeitskraft einiger oder aller Mitarbeiter zwingend erforderlich ist. Das könnte zum Beispiel der Fall sein, wenn aufgrund der Abwesenheit eines Angestellten wichtige Aufträge oder Arbeiten – wie der Jahresabschluss – nicht fristgerecht fertiggestellt werden können. Sollte jedoch ein Kollege den Arbeitnehmer in diesem Bereich zufriedenstellend vertreten können, ist dessen Präsenz am Arbeitsplatz nicht unbedingt erforderlich.

Ferner sind Urlaubssperren zum Ende des Geschäftsjahres oder in der Adventszeit im Einzelhandel gängige Praxis, sofern in diesem Zeitraum das Arbeitsaufkommen erheblich steigt. Sollte dann auch noch ein Großteil der Mitarbeiter erkranken, sind dies ausschlaggebende Fakten für die Verhängung einer Sperre. Weiterhin zählt das Einhalten festgelegter Betriebsferien zu den dringenden betrieblichen Belangen. Jedoch gilt in allen Fällen, dass Sie Ihrer Belegschaft die Gründe für die Ablehnung der Urlaubsanträge nennen müssen. Apropos: Eine gesetzliche Regelung zur maximalen Dauer der Urlaubssperre besteht nicht. Daher kann diese ebenso mehrere Wochen und Monate andauern, sofern hierfür die erforderlichen Gründe vorliegen.

Wie verhält es sich mit bereits genehmigten Urlaub?

Wie verhält es sich mit bereits genehmigten Urlaub? Sobald dem Urlaubsantrag stattgeben wurde, kann dieser grundsätzlich nicht widerrufen werden. Der Arbeiter ist für diese Zeit freigestellt und kann seine freien Tage genießen. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen, sodass in absoluten Notfällen von der Regel abgewichen werden darf. Dies ist unter anderem der Fall, wenn Ihre Firma ohne die Arbeitskraft desjenigen nicht aufrechterhalten werden könnte. Jedoch hängt die konkrete Lage vom Einzelfall ab. Selbstverständlich können Sie Ihren Arbeitnehmer bitten, seine Ferien abzubrechen oder den Urlaubswunsch zurücknehmen – aber verlangen können Sie das nicht. Ganz gleich, aus welchen Gründen Sie den Urlaubsantrag im Nachhinein ablehnen müssen, ist es immer sinnvoll, das Gespräch mit demjenigen zu suchen. Auch wenn einem Großteil der Mitarbeiter die Ferienzeit nahezu heilig ist, stehen die Chancen gut, dass der ein oder andere seinen Urlaub auf einen anderen Zeitraum verlegt.

Was kann ein Angestellter tun, wenn sein genehmigter Urlaubsantrag widerrufen wird?

Auch aus Sicht des Arbeitnehmers ist es sinnvoll, zunächst das Gespräch mit seinem Vorgesetzten zu suchen. Sollte dieses zu keiner Lösung führen, kann er sich rechtlich von einem Fachmann beraten lassen. Auf keinen Fall darf er die Anweisungen seines Arbeitgebers ignorieren und den Urlaub antreten, da dieses Vorgehen zu einer fristlosen Kündigung führen kann.