Bei dem Stichwort „Sucht“ denken die meisten Menschen zunächst an die illegale Substanzsucht. Doch der Suchtbegriff umfasst auch andere Süchte. Jeder kennt Arbeits- oder Selbstsucht, auch Erfolgs- oder Tobsucht sind geläufige Begriffe. Neu ist die sogenannte Social-Media-Sucht, die auf eine Abhängigkeit von Internetmedien wie Twitter oder Facebook hinweist. Besonders in Unternehmen mit vergleichsweise jungem Personal, kann diese Fixierung zu Problemen führen und die Produktivität enorm bremsen. Dieser Artikel beschäftigt sich in erster Linie mit der Erkennung solcher Abhängigkeiten und beleuchtet die Auswirkungen auf die Produktion. Auch werden Wege aufgezeigt, die helfen können, dem ständigen Zwang zu entkommen.

Was ist Social-Media-Sucht ?

Was ist Social-Media-Sucht?Im Gegensatz zur Drogenabhängigkeit ist die Fixierung auf das eigene Mobiltelefon nicht substanzgebunden und körperliche Schäden sind selten. Dennoch ist das Verhalten der Betroffenen zwanghaft und in Hinblick auf ihre soziale Integrität schädlich. Die Fähigkeit zur angemessenen Konfliktlösung sinkt und die Erkrankten sind permanent überlastet. Sie befinden sich in einem Zustand, der dem von Burnout-Patienten ähnelt.
Oft leiden die Abhängigen selbst unter ihrem Zwang. Aber mindestens genauso oft lieben sie ihre Online-Kontakte, die sie fortwährend pflegen. Dabei wird eine durchgängige Oberflächlichkeit nicht nur akzeptiert, sie ist sogar Voraussetzung für diese besondere Art der Kommunikation.
Beruflich manövrieren sie sich nach und nach an den Rand, weil ihre Produktivität zum Teil erheblich sinkt. Die ständige Erreichbarkeit und der Zwang, auf jede Nachricht und jeden Kommentar zeitnah zu antworten, mindert die Konzentration auf alle anderen Tätigkeiten deutlich.

Merkmale der Sucht

Wie jede andere Abhängigkeit äußert sich auch die Social-Media-Sucht durch den Zwang, etwas zu tun, was objektiv betrachtet schädlich ist. Die Gründe dafür sind vielfältig. Oft ist es die gesteigerte Neugierde oder der Wunsch, ein Gespräch zu verfolgen. Manchmal werden auch seelische Probleme überspielt. Gerade Online-Sucht hat oft das Unvermögen, in der Realität Freunde zu finden, als ursächlichen Grund.
Zeigt sich ein Mitarbeiter zunehmend fahrig und unkonzentriert? Greift er, nicht nur in den Pausen, mehrfach stündlich zum Handy? Besteht der Verdacht, dass er häufig seinen Arbeitsplatz verlässt, um heimlich Nachrichten zu beantworten? Wenn ja, dann ist das Verhalten des Mitarbeiters ein Problem für die Firma.

Auswege aus der Social-Media-Sucht

Heute werden Abhängigkeiten nicht mehr als primäre Erkrankungen gesehen. Die Medizin hat erkannt, dass das Suchtverhalten bestehende Defizite kompensieren soll. Aus diesem Grund ist ab einem bestimmten Punkt ohne professionelle Hilfe eine Heilung unwahrscheinlich. Die folgenden Hinweise können aber helfen, den Fortgang der Krankheit zu stoppen und ggf. zurück zu einem normalen Lebensstil zu finden. Ist dies dem betroffenen Menschen nicht möglich, dann sollte ein beratendes Gespräch bei einem Facharzt gesucht werden.

In Folge eine Auflistung möglicher Abwehrmaßnahmen

1.) Den Vibrations- oder Tonalarm bei eingehenden Nachrichten abschalten. So lenkt das Handy nicht von der eigentlichen Tätigkeit ab.Auswege aus der Social-Media-Sucht
2.) Alle Funktionen, bis auf die Telefonfunktion, abstellen. Sie bleiben erreichbar, werden aber nur bei wichtigen Ereignissen gestört.
3.) Nur eine Sache gleichzeitig machen, die aber mit voller Konzentration. Wenn Sie arbeiten, dann schauen Sie nicht bei Facebook nach, ob es etwas Neues gibt. Essen Sie, dann bleibt das Handy in der Tasche. Und wenn Sie Auto fahren, dann konzentrieren Sie sich auf den Verkehr.
4.) Soziale Netzwerke sind nützlich und können das Leben bereichern. Legen Sie eine bestimmte Zeit fest, in der Sie sich um virtuelle Kontakte bemühen. Am besten geht das am PC, alleine schon wegen des besseren Bildschirms.
5.) Müssen Sie stets erreichbar sein? Lassen Sie das Handy zu Hause, wenn Sie Ihre Freizeit genießen möchten.

 Verantwortungsvoller Umgang mit Social-Media

Auch die Social-Media-Sucht ist eine Angewohnheit, die dem Betroffenen außer Kontrolle geraten ist. Vielen von ihnen wird bewusst, dass sie zwanghaft handeln. Sie versuchen dann selbständig, einen Weg aus ihrer verfahrenen Situation zu finden. Den allermeisten gelingt das tatsächlich auch ohne ärztliche Hilfe. Ein Vorgesetzter, der das Thema vorsichtig anspricht und dem Mitarbeiter zu mehr Einsicht verhilft, kann diesen Prozess beschleunigen.
Trotz aller Gefahren wünschen wir viel Freude mit den neuen Medien, die bei verantwortungsvollem Umgang eine wirkliche Bereicherung unserer Welt darstellen!