Wer einen Job sucht und gut qualifiziert ist, hat angesichts des herrschenden Fachkräftemangels die Qual der Wahl. Welcher Arbeitgeber kommt infrage und wie trenne ich die Spreu vom Weizen? Dabei stehen die Interessen des Arbeitnehmers nicht selten konträr zu den Interessen des Arbeitgebers. Die Kunst ist es, ein passendes Match zu finden.

Industrie, Handel, Verwaltung: Unterschiedliche Arten von Arbeitgebern

Während die einen ihr Unternehmen so weit wie möglich voranbringen wollen, legen die anderen Arbeitgeber Wert darauf, dass die Angestellten noch ein Privatleben genießen sowie Beruf und Familie miteinander vereinbaren können. Arbeitgeber können sehr verschieden sein: Sie gehören privaten Unternehmen an, großen Konzernen oder stehen im öffentlichen Dienst. Zuerst einmal sollte der Arbeitnehmer daher wissen, ob er privat angestellt sein möchte oder eine Laufbahn im öffentlichen Dienst anstrebt. Die Konditionen sind jeweils verschieden, Aufstiegsmöglichkeiten und Vergünstigungen ebenso. Zuletzt ist es eine Frage des Wohlfühlens: Möchte ich in einem Konzern Mitarbeiter xy sein oder wünsche ich die intime Atmosphäre einer Agentur mit zwei Mitarbeitern?

Große Erwartungen: Sie wünschen, bitte?

Die Erwartungshaltung in einem neuen Job ist meist groß: Gehalt, Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten – alles muss stimmen. Dabei kann die Realität diesen Anforderungen meist nur selten standhalten. Für Arbeitnehmer gilt es daher, zuerst die eigenen Stärken kennenzulernen und dann nach der entsprechenden Stelle zu suchen. Wie unterschiedlich die Erwartungen an den Job sind, zeigt auch diese Grafik: Erwartungshaltung in einem neuen Job

Frauen und Männer gehen mit einer ganz verschiedenen Erwartungshaltung an das arbeitgebende Unternehmen heran. So spielt der Punkt „Vertrauen“ bei Männern keine nennenswerte Rolle, auch die Familienfreundlichkeit ist für Frauen wichtiger als für Männer.

Informationen gesucht: Anlaufstellen für Arbeitnehmer

Über 180 Arbeitgebersiegel gibt es derzeit wie zum Beispiel „Deutschlands 100 Top Arbeitgeber“, „Familienfreundlicher Arbeitgeber“ oder „Top Employer Deutschland“. Diese Siegel werden nur an die Unternehmen bzw. Arbeitgeber verliehen, die bestimmte Leistungen anbieten und bei der die Mitarbeiterzufriedenheit hoch ist. Für die Vergabe des Siegels werden Arbeitsbedingungen ebenso ausgewertet wie die Ergebnisse von Mitarbeiterbefragungen. Arbeitsuchende sollten im Internet nach den entsprechenden Siegeln suchen und können auch den „Zert-O-Mat“ nutzen, bei dem sich die Arbeitgeber und Unternehmen verschiedener Branchen entsprechend der Siegel herausfiltern und vergleichen lassen. Wer etwas mehr Geld investieren und sich über potenzielle Arbeitgeber informieren möchte, kann auch das Handbuch von Statista nutzen. Hier sind die einzelnen Arbeitgeber aufgelistet und beschrieben und können entsprechend der eigenen Wünsche und Anforderungen gezielt ausgewählt und bewertet werden. Die Investition von 990 Euro ist allerdings kein Pappenstiel und kommt wohl am ehesten für Führungskräfte infrage.

Über die sozialen Netzwerke lässt sich vieles über den potenziellen Arbeitgeber herausfinden. Kommentare auf Facebook und Co. sind hervorragend dazu geeignet, sich ein Bild über den betreffenden Arbeitgeber zu machen. Wichtig ist dabei allerdings die kritische Herangehensweise: Wurde ein Mitarbeiter aufgrund eines Fehlverhaltens gekündigt, welches er aber nicht als solches sieht, wird er kaum eine objektive Einschätzung des Unternehmens von sich geben. Es gilt daher, die Informationsflut im Internet realistisch zu filtern und in mehrere Richtungen zu recherchieren.

Eingeladen: Das Vorstellungsgespräch als Informationsplattform

Eingeladen: Das Vorstellungsgespräch als InformationsplattformDas Vorstellungsgespräch gibt beiden Seiten hinreichend Gelegenheit, sich kennenzulernen und mögliche Erwartungen aufzuzeigen. Arbeitgeber finden über das Gespräch etwas über die Motivation des Bewerbers heraus, können ihn fachlich besser und persönlich zumindest etwas einschätzen. Außerdem entscheidet in vielen Fällen letzten Endes die Sympathie darüber, ob ein Kandidat auch weiterhin in die engere Wahl gezogen oder außen vor gelassen wird.
Doch auch der Bewerber sollte das Vorstellungsgespräch dazu nutzen, Informationen zu sammeln. Nicht alles Wissenswerte ist auf der Unternehmenshomepage oder über Bewertungsportale zu erfahren, meist ist ein persönliches Gespräch deutlich aussagekräftiger. So lässt sich „zwischen den Zeilen“ herausfinden, was für ein Mensch der Arbeitgeber ist, wie er zu den Punkten Vereinbarkeit Job und Familie, Wechsel von Mitarbeitern bzw. „Treue“ zu den Angestellten und Individualität eingestellt ist.

Vor allem in kleinen Unternehmen zeigt sich im Vorstellungsgespräch, ob und wie gut Arbeitgeber und Bewerber miteinander harmonieren und ob eine Zusammenarbeit tatsächlich funktionieren könnte. Nicht selten machen sich hier bereits persönliche Animositäten bemerkbar, die sich bei einer Zusammenarbeit nur verstärken würden. Bei Unternehmen mit vielen Mitarbeitern hingegen kommt der Angestellte mit dem Personaler im Alltag kaum in Kontakt, dann dient das Vorstellungsgespräch vor allem dem Sammeln von Informationen zu den harten Fakten: Arbeitszeiten, Gehalt, mögliche Verhandlungsspielräume und Aufstiegschancen.