Tag für Tag sind viele Menschen gefordert, die besten Leistungen abzuliefern. Sei es im Büro, wo der Konkurrenzdruck unter den Kollegen hoch ist. Sei es daheim, wo Sie der Familie natürlich ein möglichst angenehmes Leben gewähren wollen. Doch nicht immer ist das Gute auch gut genug. Wer zum Perfektionismus neigt, geht selbst kleinste Herausforderungen mit großem Ehrgeiz an – und kämpft dabei am Ende doch nur gegen sich selbst.

Bestleistungen als Lebenseinstellung

Wie Sie sich einem Ziel annähern, ist zumeist von Ihrer Psyche abhängig. Diese wird einerseits durch die genetischen Voraussetzungen beeinflusst, kann andererseits aber auch jahrzehntelang durch eigene Erfahrungen und Erlebnisse geprägt werden. Perfektionisten gehören zu jenen Menschen, die sich bereits sehr früh in ihrem Leben in Konkurrenzsituationen wiedergefunden haben. So mussten Sie zur Schulzeit die besten Noten erzielen und alle Hobbies besonders gut ausführen. Wird diese Denkweise vom Kind auf den Erwachsenen übertragen, so lässt sich das Streben nach perfekten Resultaten abermals erkennen. Dieser Neigung mag zunächst nichts Negatives anhaften. Für den Betroffenen kann sie jedoch zu einem Problem werden.

Jeder Fehler wird vermieden

Der Weg zum Erfolg ist für viele Personen durch Niederlagen geprägt. Für Perfektionisten gilt diese Grundregel indes nicht. Denn sie unternehmen alles, um ein Scheitern zu vermeiden. So wird ein hohes Pensum an Einsatz und Zeit investiert, um die Anforderungen im Job umzusetzen. Doch nicht alleine dem Hier und Jetzt gilt der kritische Blick: Wenn Sie perfektionistische Züge aufweisen, werden Sie immer einige Schritte vorausdenken – und versuchen, jeden noch so kleinen Stolperstein aus dem Weg zu räumen. Vielleicht lässt sich die Karriereleiter auf diese Weise etwas schneller erklimmen. Doch der ausgeprägte Perfektionismus wird als krankhaft angesehen.

Erfolge könErfolge können von Perfektionisten nicht genossen werdennen nicht genossen werden

Perfektionisten zeichnen sich dadurch aus, dass sie sogar mit den besten Leistungen kaum einmal zufrieden sind. Hier ließe sich noch etwas verändern, dort habe man Defizite bewiesen. Die Neigung, sich selbst und seine Konkurrenten immer wieder zu übetrumpfen, basiert auf einem schwachen Selbstwertgefühl. In aller Regel ist also bereits durch frühere Erlebnisse eine Einschränkung der Psyche erkennbar. Sie soll durch übermäßiges Arbeiten und durch einen hohen Einsatz kompensiert werden. Mit Blick auf die reinen Ergebnisse mag das vielleicht gelingen. Doch auch nach herausragenden Resultaten nagt der kleine Zweifel am Gewissen des Perfektionisten: Hätte sich nicht doch irgendetwas noch besser machen lassen?

Der Kampf gegen das innere Ich

Die Betroffenen neigen dazu, die eigenen Leistungen immer wieder einem Vergleich zu unterziehen. Etwa mit dem Kollegen am Nebentisch. Ebenso aber mit sich selbst. Das Ergebnis wird nicht für sich genommen betrachtet. Sondern es wird einer langen Reihe an persönlichen und fremden Erfolgstaten gegenübergestellt – mit dem Fazit, dass sogar das Beste wieder einmal nicht ausreichend war. Perfektionisten verkrampfen unter dieser psychischen Last. Sie wollen mehr leisten, legen sich selbst einen noch höheren Druck auf die Schultern. Feierabende existieren kaum noch, freie Tage nutzen Sie für die Arbeit. Denn Pausen hat sich der unter seiner eigenen Unvollkommenheit Leidende nach seinem Selbstverständnis nicht verdient.

DiPerfektionismus: Die Angst zu versagene Angst vor dem Versagen

Natürlich ist der Weg des Perfektionisten in den meisten Fällen vorgezeichnet: Von einer latenten Furcht des Versagens und der Ablehnung führt der negative Kreislauf in ein zu hohes Pensum aus Arbeit und psychischem Druck, dem abschließend körperliche und geistige Erkrankungen folgen. Neigen Sie zum Perfektionismus oder haben Sie die entsprechenden Anzeichen bei Freunden oder Kollegen entdeckt, sollten Sie handeln. Der Betroffene wird nur durch die persönliche Einsicht in eine Lage versetzt, sein Verhalten zu überdenken – und zu ändern. Will der Perfektionist also wieder einmal mit seinen Taten prahlen, so kann bereits ein dezentes Hinterfragen seiner Schwächen helfen.

Kein schneller Ausweg aus dem Perfektionismus

Dennoch muss der Perfektionismus als tief im Unterbewusstsein sitzende Psychose angesehen werden. Hier gilt es, einerseits die Versagensängste freizulegen und diese zu beheben. Andererseits darf dem Betroffenen aber auch aufgezeigt werden, dass selbst negative Ergebnisse seines Handelns nicht immer auch zu fatalen Konsequenzen führen. Die Kunst des Loslassens ist dabei ebenso erforderlich wie das realistische Selbstbild. Sofern Sie unter dem Perfektionismus leiden, so gönnen Sie sich also gerne einmal kleinere Niederlagen. Setzen Sie sich demgegenüber hohe Ziele – aber genießen Sie es ausgiebig, wenn Sie diese erreicht haben. Und vor allem: Nehmen Sie sich immer wieder Pausen und Auszeiten, um sich von dem Kampf gegen das innere Ich zu erholen.