Das Machen von Fehlern ist im Unternehmensalltag meistens höchst unbeliebt, und zwar bei denjenigen, die sie begehen, und noch mehr bei ihren Vorgesetzten. Sie gelten schlimmstenfalls als Karrierekiller. Das führt zu einer Fehlervermeidungskultur, die jedes Risiko auszuschließen versucht. Gänzlich falsch, meinen Managementberater: Wir sollten manche Fehler als Lern- und Denkanstoß sogar begrüßen.

Was denken Menschen über Fehler?

Das Problem mit der Risikovermeidungskultur ist keinesfalls neu. Der Volksmund hält hierfür mehrere Sprichwörter parat, nämlich “Wer nichts macht, macht auch nichts falsch” und “Wer nichts wagt, der nichts gewinnt.” Der US-amerikanische Managementberater Laurence Johnston Peter formuliert es etwas tiefgründiger:

“Fehlervermeidung gelingt nur durch Erfahrung. Erfahrungen aber sammeln wir durch begangene Fehler.”

Wer dieses Zitat liest und gerade mit wichtigen Aufgaben (als Mitarbeiter oder Führungskraft) befasst ist, spürt Zustimmung und Widerwillen zugleich. Eine tolerante Fehlerkultur klingt großartig, und natürlich haben wir alle aus unseren Fehlern gelernt. Gleichzeitig aber sind wir den ganzen Tag über mit dem Streben nach Perfektion befasst. Nein, eigentlich wollen wir keine Fehler zulassen und sie noch weniger begrüßen. Im Grunde sind sich alle Menschen darüber einig: Fehler sollten eigentlich nicht passieren.

Der Umgang mit eigenen Fehlern

Die Vertuschung von Fehlern ist keine langfristige LösungBevor diese sehr harte Haltung hinterfragt wird, gilt es auf jeden Fall, die Medaille von ihren beiden Seiten her zu betrachten. Denn es ist nicht unbedingt das einzige oder auch nur das größte Problem, dass Fehler zu harscher Kritik und Selbstzerfleischung führen. Viele Menschen tendieren dazu, Fehler nicht einzuräumen und sie schlimmstenfalls gezielt zu vertuschen. Dabei ist zu unterscheiden, ob die Vertuschung nur gegenüber anderen Personen stattfindet oder auch gegenüber sich selbst. Im ersten Fall ist dieser Mensch ein Lügner, im zweiten Fall ein Verdränger, der sich selbst schadet. Beides ist schlecht, aber erklärbar.

Fehler und ihr Eingeständnis gehören zu den letzten Tabus unserer Leistungsgesellschaft. Jeder macht sie, niemand hat sie gern, nur wenige Menschen stehen uneingeschränkt dazu. Bisweilen lässt sich das öffentlich besichtigen, wenn gescheiterte Politiker nicht daran denken, zurückzutreten. Unternehmensberater mit tiefer Expertise kennen das Phänomen und die daraus resultierenden Gefahren, sie wissen aber auch, dass ein unbekümmertes Eingeständnis der eigenen Fehler in vielen Unternehmen wirklich gefährlich ist und ein handfester Karrierekiller sein kann. Daher raten sie dazu, sich selbst die Fehler unbedingt einzugestehen, jedoch gegenüber anderen Personen darauf zu achten, wie diese mit so einem Eingeständnis umgehen könnten. Idealerweise herrscht in einem Unternehmen eine “gesunde” Fehlerkultur: Dann fällt das Eingeständnis von Fehlern leicht und führt zu einer potenzierten Effizienz.

Was ist eine gesunde Fehlerkultur?

Die gesunde Fehlerkultur betrachtet Fehler als Arbeitsthema und Grundlage für ein Feedback. Wenn ein Fehler schnell zugegeben wird, hat das mehrere Vorteile:

  • Die (möglicherweise weitreichenden) Folgen des Fehlers können schnell ausgemerzt werden.
  • Die Strategie kann schnell geändert werden, um künftig diesen Fehler auszuschließen (eigentlich: die Wahrscheinlichkeit des erneuten Auftretens zu minimieren).
  • Wenn ein Mitarbeiter Fehler zugeben darf, ohne abgestraft zu werden, getrauen sich das künftig auch die anderen. Die gesunde Fehlerkultur wächst.

Eine gesunde Fehlerkultur geht von vornherein davon aus, dass es “Fehlerlosigkeit” eigentlich nicht gibt. Es gibt ein Streben dorthin, das aber nie ein Ende findet. Auf dem Weg zur angestrebten Perfektion zeigen uns die begangenen Fehler, was wir verbessern können. Diese Haltung ist aber nicht leicht zu beziehen, was am philosophischen Ansatz liegt. Er wirkt verschwommen und könnte bei einigen LeserInnen großes Unbehagen verursachen. Das sind vielfach Beschäftigte in technischen Berufen, die sich manch einen Fehler nicht leisten können. Es geht um Leib und Leben, außerdem um große Sachwerte.

Verzeihliche und unverzeihliche Fehler

Die Schaffung einer kommunikativen Unternehmenskultur ist für das Bewältigen von verzeihlichen Fehlern sinnvollWenn Sie Ihr ganzes Geld ohne Absicherung in ein volatiles Derivat stecken, können Sie Ihr ganzes Geld verlieren. Das ist ein unverzeihlicher Fehler. Wenn Sie mit dem Motorrad ohne Helm ungebremst gegen eine Mauer fahren, ist das ein irreversibler Fehler. Sie sind dann tot, wir können die Diskussion beenden. Wenn Sie als Verkäufer den Kunden falsch eingeschätzt und mit dem falschen Preisangebot operiert haben, verkaufen Sie dieses Mal zu wenig oder nichts, was zu den verzeihlichen und reversiblen Fehlern gehört. Diese werden Ihren Blick für die Kundschaft schärfen und Sie zu einem besseren Verhandler machen. Menschen müssen durchaus verstehen, dass es unverzeihliche Fehler gibt, vor deren Folgen ein Airbag nicht schützen kann. Für die verzeihlichen Fehler sollten Unternehmen eine gesunde, kommunikative Unternehmenskultur schaffen, die im besten Fall zu einer viel schnelleren Weiterentwicklung von Teams führt.