Insbesondere traditionelle und längst etablierte Unternehmen fürchten oft, vom Markt durch die Neulinge verdrängt zu werden. Denn moderne Start-ups gelten als erfolgshungrig und kompetent. Wenn man KMU und Start-ups einmal genauer betrachtet, dann stellt man zwischen ihnen erhebliche Unterschiede fest. Doch ist es nicht vielleicht auch möglich, die gemeinsamen Stärken zu bündeln, sich bei Schwächen gegenseitig zu unterstützen – und damit letztlich etwas Großes zu erreichen? Der Mut zum Experiment könnte sich lohnen.

Allgemeines zum KMU

Wenn von kleinen und mittleren Unternehmen – das bedeutet die Abkürzung KMU – die Rede ist, dann sind Betriebe gemeint, die in ihrem Marktsegment meist seit einiger Zeit etabliert sind. In der Kleinstausführung kann ein solches Haus bis zu zehn Mitarbeiter aufweisen und einen Jahresumsatz von bis zu zwei Millionen Euro generieren. Der Spielraum nach oben ist weit. Selbst mit 500 Angestellten und einem Umsatz von 50 Millionen Euro kann man immer noch ein kleines oder mittleres Unternehmen führen. Als solches agiert man wirtschaftlich eigenständig. Man geht gewisse finanzielle Risiken ein und verfolgt Ziele, die man für sein Unternehmen mittel- bis langfristig geplant hat.

Unterschiede zum Start-up

Demgegenüber beweisen sich Start-ups oft erst seit kurzer Zeit in ihrer Branche. Sie streben einer neuen und zumeist kreativen Idee nach. Insofern weisen sie ein deutlich höheres Marktrisiko auf – nicht selten dadurch unterstrichen, dass sich das Vorhaben nur schwerlich finanzieren lässt, da eine Unterstützung durch Banken und Investoren aufgrund der Neuartigkeit des Angebotes nicht immer gewährleistet werden kann. Allerdings sind damit auch Chancen verbunden. Beweist sich das Startup in seinem Segment, sind vielfach extreme Wertsprünge für das Unternehmen möglich. So streben Start-ups häufig relativ schnell den Gang an die Börse an. Damit möchten Sie das Eigenkapital stärken und sich neuen Visionen öffnen.

KMU und Start-ups: Passt das überhaupt zusammen?

KMU und Start-ups: Passt das überhaupt zusammen?Zugegeben, es fällt doch ein wenig schwer, sich eine Kooperation zwischen beiden Unternehmensformen vorzustellen. So steht einerseits das Start-up, das sich gerade neue Finanzierungsquellen erschließt und das sich eine Kunden- und Käuferstruktur erst noch aufbauen muss. Andererseits sieht man das kleine und mittlere Unternehmen, das eher vorsichtig und langfristig seine Stärken bewusst einsetzt. Unweigerlich ließe sich an einen Vergleich aus der Sportwelt denken, wo dem Marathonläufer der Sprinter gegenübergestellt wird. Zwei Welten scheinen aufeinanderzuprallen, die bei grober Betrachtung eher wenig Gemeinsamkeiten aufweisen. Aber sind beide Seiten nicht vielleicht doch miteinander kompatibel, um ein großes Ziel anzuvisieren?

Wege in die Digitalisierung

Sicherlich haben Sie für Ihr kleines und mittleres Unternehmen bereits bemerkt, dass es nicht ganz einfach gelingt, mit der stetig voranschreitenden Technologie schrittzuhalten. Die Ursache liegt zumeist darin, dass etablierte Betriebe kaum oder gar nicht die digitalen Möglichkeiten der Gegenwart nutzen. Dabei ließen sich viele Arbeitsprozesse mit ihnen in zeitlicher und finanzieller Hinsicht deutlich effizienter gestalten. Doch was für traditionelle Firmen noch Neuland und die Zukunft der Branche ist, gehört für viele Start-ups längst zum Alltag. Gemeinsam kann es gelingen, dem KMU eine neue Perspektive auf dem sich rasant verändernden Markt zu bieten – und dessen Konkurrenzfähigkeit auf diese Weise für viele Jahre zu bewahren.

Erfahrung und Neugierde

Doch auch im Bereich des Know-hows kann sich Ihr Unternehmen mit einem Start-up sehr gut ergänzen. Sind Sie bereits im Markt gefestigt und haben sich über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte einen festen Kundenstamm aufgebaut, so wissen Sie um die Feinheiten des Geschäftes Bescheid. Sie sehen die Chancen Ihrer Branche, können den Risiken aber oftmals besser als ein Neuling ausweichen. Ein Start-up besitzt diesen Erfahrungsschatz natürlich nicht. Dafür arbeitet es in der Regel eng mit Research Centern und Hochschulen zusammen. Ebenso werden Kundendaten systematisch ausgewertet, um aus ihnen Anhaltspunkte für eine Verbesserung des eigenen Angebotes zu erlangen. KMU und Start-ups können sich somit gegenseitig unterstützen.

Gemeinsame Interessen erkunden

Allerdings wäre es falsch, eine gemeinsame Zusammenarbeit von KMU und Start-ups als einfaches Modell der Zukunft anzusehen. In beiden Gemeinsame InteressenUnternehmensformen herrschen oftmals grundlegend voneinander abweichende Arbeitsweisen. Das Tempo und die Herangehensweise an die Bewältigung einer Aufgabe differenzieren sich. Dennoch dürfte es sich lohnen, in einem gegenseitigen Gedankenaustausch festzustellen, ob man nicht doch zu zweit an einem Strang ziehen möchte. Workshops, Interessengemeinschaften und auf bestimmte Arbeitsbereiche und Abteilungen begrenzte Joint Ventures können mittelfristig oder begrenzt auf ein Projekt sowohl dem kleinen und mittleren Unternehmen als auch dem Start-up zu neuen Erfolgen verhelfen. Trotz aller Gegensätze gilt es natürlich, die Gemeinsamkeiten zu finden – und zu nutzen.