Das Großraumbüro zählt zu den sogenannten Bürokonzepten und besteht in der Regel aus einer großen Räumlichkeit, die eine Fläche von mindestens 400 Quadratmetern aufweist. Die Anzahl der Arbeitsplätze ist nicht einheitlich definiert und liegt bei wenigstens zehn, häufiger auch deutlich über 20 Personen. Für die Etablierung von Großraumbüros gibt es Vor- und Nachteile, wobei die Vorteile vor allem auf Firmenseite, die Nachteile eher auf Mitarbeiterseite zu finden sind.

Gründe für Großraumbüros aus Firmensicht

Firmen profitieren von Großraumbüros zunächst aufgrund der geringeren Kosten. Die Räumlichkeiten sind weniger komplex gestaltet und erfordern entsprechend weniger Platz. Die geringere Quadratmeterzahl macht sich in günstigeren Mietkosten bemerkbar. Es gibt darüber hinaus häufig keine fixen Schreibtische und dadurch keine festen Arbeitsplätze mehr vor Ort. Ziel ist hierbei eine Verbesserung der Kommunikation untereinander und eine Vergrößerung der Flexibilität der Mitarbeiter. Teams können sich durch die freie Platzwahl und die Sichtbarkeit der Kollegen im Großraum neu begegnen und besser kennenlernen. Die Struktur des offenen Büros soll das Gemeinschaftsgefühl untereinander stärken und dadurch die Verbundenheit mit der Firma erhöhen. Betriebe haben außerdem ein höheres Maß an Kontrolle in Bezug auf die erbrachten Arbeitsleistungen und können im Bedarfsfall effektiver in den Dialog mit den Mitarbeitern treten.

Vorteile für Mitarbeiter

Wer nicht in einem abgeschlossenen Raum für sich allein tätig ist, kommt zwangsläufig mit Kollegen in Kontakt und profitiert von der Möglichkeit zu regelmäßigem Austausch. Die Arbeitswege sind in einem Großraumbüro deutlich kürzer, die Möglichkeit zur kurzfristigen Klärung von Fragen insgesamt unmittelbarer gegeben. Informelle Gespräche bereichern das Gemeinschaftsgefüge und ermöglichen einen größeren Zusammenhalt. Die Arbeitsabläufe sind für die Kollegen transparenter. Aufgaben können leichter delegiert oder geteilt werden. Im Falle der Abwesenheit eines Mitarbeiters gehen eingehende Anrufe nicht ins Leere, sondern werden von einem Kollegen übernommen.

Beschäftigte, die miteinander am gleichen Tisch sitzen, bilden miteinander ein natürliches Team und gehen durch gegenseitiges Motivieren und den fachlichen Austausch Lösungen effektiver an. Die Kreativität steigert sich durch den kontinuierlichen Dialog. Viele Meetings müssen nicht erst langfristig geplant und anberaumt werden, sondern lassen sich durch die direkte Kommunikation an Ort und Stelle häufig reduzieren. Wer Hilfe bei einem Projekt oder einem komplizierten Inhalt benötigt, kann diese durch kurzes Nachfragen beim Sitznachbarn unkompliziert einholen.

Nachteile für Mitarbeiter

Auch bei allen umsichtigen Maßnahmen, die das Arbeiten erleichtern, sind Mitarbeiter in Großraumbüros Studien zufolge deutlich häufiger krank, als in Firmen mit kleineren Räumlichkeiten. Denn die Hintergrundgeräusche lassen sich nicht gänzlich abschalten und summieren sich im Laufe eines Arbeitstages zu einer fortdauernden Reizüberflutung. Die Konzentration wird während des Arbeitens durch die Nebengeräusche und den Lärmpegel stark beeinträchtigt. Die dauerhafte Sichtbarkeit der eigenen Tätigkeit durch andere wird vielfach als soziale Kontrolle erlebt. Die konstante Verfügbarkeit und ständige Interaktion mit anderen werden vielfach als anstrengend, belastend und überfordernd erlebt. Für konkrete Arbeitsabläufe wird häufig wesentlich mehr Zeit benötigt, als bei vergleichbaren Tätigkeiten, die in einem kleinen Büro durchgeführt werden. Die klimatischen Bedingungen sind selten ideal. Meist sind die Angestellten einer Klimaanlage ausgesetzt. Je weiter innen im Raum sich der Arbeitsplatz befindet, umso geringer kann der Einfall des natürlichen Tageslichts sein.

Produktives Arbeiten trotz Ablenkung

Produktives Arbeiten trotz AblenkungUm die Nachteile von Großraumbüros zu minimieren und das Arbeiten für die Mitarbeiter so angenehm und produktiv wie möglich zu gestalten, sind verschiedene Maßnahmen hilfreich.

Raumakustik verbessern
Bei der Planung eines Großraumbüros kommt es wesentlich auf Materialien an, die geeignet sind, Schall zu schlucken und hohe Frequenzen zu absorbieren. Hierzu eigenen sich sogenannte Akustikvorhänge oder auch Akustikbilder.

Besprechungsbereiche einrichten
Meetings sollten nicht inmitten der Arbeitsplätze abgehalten werden. Hierzu können Bereiche am Rand des Großraums freigehalten und durch schalldämpfende Materialien abgegrenzt werden.

Ablenkung reduzieren
Nicht alle Mitarbeiter kommen gut mit der Großraumatmosphäre zurecht. Raumteiler, beispielsweise in Form von Büroregalen, können gleichzeitig als Sichtschutz und Rückzugsort dienen und bei Bedarf ein ruhigeres Arbeiten ermöglichen.

Nebengeräusche vermeiden
Bürogeräte produzieren in den meisten Fällen ein hohes Maß an Lärm. Es gibt Produkte mit besonders geräuscharmer Hardware. Sie sind am Prüfsiegel „Blauer Engel“ zu erkennen.

Home Office
Wo es die Tätigkeit erlaubt, kann ein Wechsel zwischen Anwesenheit im Büro und Home Office hilfreich sein. Mitarbeiter, die diese Option zum Arbeitsortwechsel haben, sind deutlich zufriedener und weniger krank.