Die Gründerszene boomt. Noch nie haben so viele Menschen Ihre eigenen Geschäftsideen verwirklicht wie in den letzten Jahren. Wenn auch Sie den Weg in die Selbstständigkeit wagen wollen, sollten Sie eine gründliche Planung vorwegnehmen. Lesen Sie hier alle wichtigen Punkte zur Unternehmensgründung, damit Ihr Start in die Selbstständigkeit schnell zum Erfolgskonzept wird.

Das Streben nach Selbstständigkeit

Viele Menschen verbinden mit Selbstständigkeit die Begriffe „Freiheit“ und „Unabhängigkeit“. Ein selbstständiger Unternehmer plant seine Arbeitszeiten in Eigenregie und kann genau daran arbeiten, worauf er Lust hat – so die gängige Meinung. In der Praxis diktieren jedoch oft Kundentermine den Alltag eines Freiberuflers und im Gegensatz zum Bürojob, der um 18 Uhr endet, sind viele Selbstständige auch am Wochenende oder abends aktiv. Dafür gehört der komplette erwirtschaftete Gewinn dem Unternehmer – ein enormer Ansporn, effektiv zu arbeiten.
 
Wenn Sie sich selbstständig machen möchten, sollten Sie sich zunächst über Ihre Motive im Klaren werden. Möchten Sie „nur“ Ihr eigener Herr sein und träumen von einem Leben in Freiheit, könnten Sie schnell enttäuscht werden. Haben Sie dagegen eine wirklich gute Geschäftsidee? Wollen Sie sich mit einem Handwerk oder einer Dienstleistung selbstständig machen? Sind Sie sich bewusst, dass zunächst einmal viel Arbeit auf Sie wartet? Dann sollten Sie Ihren Traum in Angriff nehmen.

Die Geschäftsidee

Am Anfang Ihrer Überlegungen steht die Geschäftsidee. Möchten Sie ein Produkt anbieten oder eine Dienstleistung? Planen Sie einen Handel aufzubauen und wenn ja online oder als Ladengeschäft? Machen Sie sich die Mühe und beschreiben Sie Ihre Geschäftsidee möglichst genau auf einer Din A4 Seite. So finden Sie schnell heraus, ob in Ihrem Konzept noch Lücken bestehen.
Tipps, wie Sie zu einer wirklich guten Geschäftsidee kommen, erhalten Sie hier.

Haupt- oder nebenberuflich, mit oder ohne Umsatzsteuer?

Viele Menschen starten zunächst nebenberuflich in die Selbstständigkeit. Sie sind in Voll- oder Teilzeit als Arbeitnehmer tätig und bauen sich mithilfe dieser finanziellen Sicherheit nach und nach Ihr eigenes Business auf. Damit der operative Aufwand bei geringfügigen Tätigkeiten im Rahmen bleibt, können Sie Ihr Unternehmen als Kleinunternehmer gründen. Dabei darf der Jahresumsatz im Gründungsjahr die Grenze von 17.500 Euro nicht überschreiten. Als Kleinunternehmer müssen Sie keine Umsatzsteuer abführen und dürfen auch Ihre Rechnungen ohne Umsatzsteuer ausstellen. Damit entfällt die monatliche oder vierteljährliche Umsatzsteuervoranmeldung. Wenn Sie Ihre Unternehmen als Kleinunternehmer führen möchten, müssen Sie dies direkt bei der Gründung angeben. Steigt Ihr Jahresumsatz im Laufe Ihrer Geschäftstätigkeit auf mehr als 17.500 Euro an, dürfen Sie zum normalen Unternehmertum mit Umsatzsteuerausweis auf den Rechnungen wechseln. Ab 50.000 Euro im Jahr ist dieser Wechsel Pflicht.
 
Selbstverständlich müssen Sie nicht als Kleinunternehmer gründen, sondern können auch mit geringen Umsätzen sofort mit Umsatzsteuerausweis agieren. Damit treten Sie auf dem Markt unter Umständen seriöser auf und können bei einigen Kunden besser agieren. Wenn Sie für Ihr Unternehmen viel eigenes Equipment benötigen, hohe Ausgaben haben oder Dienstleistungen einkaufen, dann lohnt sich ebenfalls die Firmierung mit Umsatzsteuernachweis, da Sie die Umsatzsteuer in diesem Fall zu Ihren Gunsten geltend machen können.

GmbH, AG oder Personengesellschaft -Welche Gesellschaftsform passt zu Ihrem Unternehmen?

Welche Rechtsform für Ihr zukünftiges Unternehmen sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Für eine Personengesellschaft benötigen Sie zur Gründung kein Unternehmenskapital. Dafür tragen Sie das Unternehmensrisiko mit Ihrem Privatvermögen. Wer das nicht möchte, kann sich zum Beispiel mit einer GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) vor privaten Verlusten schützen. Im Falle der Unternehmensinsolvenz haftet die Firma mit Ihrem Betriebskapital. Allerdings benötigen Sie zur Gründung einer GmbH ein Stammkapital von 25.000 Euro. Wer weniger Geld einbringen möchte, kann eine UG (Unternehmergesellschaft) gründen. Hier starten Sie mit einem Stammkapital ab einem Euro. Das Stammkapital wird dann sukzessive im Laufe der Geschäftstätigkeit aufgebaut. Erreicht wird dies durch eine jährliche Rücklage in Höhe von 25 % des Jahresüberschusses, bis die Summe von 25.000 Euro Stammkapital erreicht wurde. In unserem Artikel zu den verschiedenen Rechtsformen (Link einbauen) von Unternehmen finden Sie Infos zu GmbH, UG, Personengesellschaften und weiteren Rechtsformen.

Gründung ohne Eigenkapital – das sollten Sie beachten

Wer Fremdkapital für die Umsetzung seiner Geschäftsidee benötigt hat verschiedene Möglichkeiten dieses zu beschaffen. Möchten Sie einen Bankkredit beantragen, benötigen Sie unbedingt einen fundierten Businessplan. Viele staatliche Förderungen für Gründer erhalten Sie bei der Kfw-Bank.
 
Sie können auch den innovativen Weg des Crowdfundings einschlagen. Hier stellen Sie Ihre Geschäftsidee auf speziellen Crowdfunding-Plattformen, zum Beispiel bei unternehmerich.de oder companistio.de, einer breiten Öffentlichkeit vor. Große amerikanische Crowdfunding-Plattformen sind Kickstarter oder Indiegogo, die Zugang zu Investoren in vielen Ländern ermöglichen. Den potenziellen Investoren bieten Sie Gegenleistungen an. Das kann eines Ihrer Produkte sein, zum Beispiel in Form einer Sonderedition, Gewinnausschüttung oder eine lobende Erwähnung. Den Rahmen gestalten Sie selbst. Die Investitionsbeträge fangen bei 10-50 Euro an und manch gute Geschäftsidee wurde auf diese Weise schon finanziert.
 
Möchten Sie direkt in die Vollzeit-Selbstständigkeit starten, sollten Sie auch den staatlichen Gründungszuschuss in Erwägung ziehen. Voraussetzung ist eine bestehende Arbeitslosigkeit im Arbeitslosengeld I Bezug. Beachten Sie also eventuelle Sperrfristen, sollten Sie Ihren Job selbst kündigen. Beantragen können Sie den Gründungszuschuss bei der Agentur für Arbeit. Neben der Grundvoraussetzung des Bezuges von Arbeitslosengeld I benötigen Sie noch den Nachweis über den Besuch eines Gründungsseminares oder -coachings sowie einen Businessplan. Wenn Sie vorhaben den Gründungszuschuss zu beantragen, sollten Sie vorab mit der Agentur für Arbeit Kontakt aufnehmen, um sich entsprechend beraten zu lassen.

Der Businessplan – Handbuch für das eigene Unternehmen

Nicht nur für Ihre Finanzierungsgesuche, sondern auch um Ihre zukünftige Geschäftstätigkeit möglichst solide zu beginnen, benötigen Sie einen Businessplan. Dieser besteht aus verschiedenen Bausteinen: Geschäftsidee, Geschäftsstrategie, Produkt/Dienstleistung, Management und Personalplanung, Zielgruppe, Standort, Marketing, Chancen und Risiken und einen Finanzplan. Ein Businessplan hilft Ihnen dabei, grundlegende Fragen zum Unternehmen im Vorfeld zu klären und Ihre Geschäftsidee noch einmal auf Herz und Nieren zu prüfen, bevor Sie damit in den Markt eintreten. Zwar müssen Sie hier ein wenig Arbeit investieren, erhalten aber im Gegenzug sehr viel Sicherheit bei Ihrem Vorhaben.
Die passende Vorlage für Ihren Businessplan gibt es hier.

Brauchen Sie Hilfe?

Wenn Sie an diesem Punkt Ihrer Gründungsplanung merken, dass Sie allmählich an Ihre persönlichen Grenzen stoßen, sollten Sie professionelle Beratung in Anspruch nehmen. Hilfe bekommen Sie von Steuerberatern, Gründungscoaches oder in speziellen Gründungsseminaren. Auch die Agentur für Arbeit kann eine Anlaufstelle sein. Um diese Beratung zu finanzieren, gibt es spezielle Förderprogramme der Bundesländer, die einen großen Teil der Beratungskosten übernehmen. Mithilfe dieser Gründungsprofis schaffen Sie es, eine solide Basis für Ihr zukünftiges Unternehmen zu bereiten. Den passenden Berater finden Sie hier.

Welche Behördengänge sind notwendig?

Nun sind alle wichtigen Details im Vorfeld geklärt und der formalen Gründung Ihres Unternehmens steht nichts mehr im Weg. Beim Finanzamt reichen Sie die entsprechenden Formulare ein und schon haben Sie es geschafft. Gratulation! Jetzt sind Sie Unternehmer. Wer noch zusätzlich sein Logo, seinen Firmennamen oder seine Marke schützen möchte, der kann beim deutschen Patentamt eine Wortmarke, Bildmarke oder auch Wort-/Bildmarke (Logo mit Schriftzug) beantragen. Entsprechende Hinweise, was bei der Anmeldung zu beachten ist und eine Möglichkeit die Marke direkt online zu beantragen finden Sie auf der Webseite des deutschen Patentamtes.

Sicher ist sicher – Versicherungen

Jetzt als selbstständiger Unternehmer sollten Sie sich auch Gedanken zu eventuellen Versicherungen machen, die Sie zur Durchführung Ihrer Geschäftstätigkeit benötigen. Eine Berufshaftpflicht ist in vielen Fällen eine sinnvolle Versicherung. Sie greift zum Beispiel immer dann, wenn Sie bei Kunden vor Ort einen Schaden verursachen. Im Akquisegespräch den Kaffeebecher umgekippt und das Notebook des potenziellen Auftraggebers ruiniert, mit dem Bürostuhl den Parkettboden zerkratzt, dafür sollten Sie versichert sein. Als Eventveranstalter benötigen Sie spezielle Veranstaltungshaftpflichtversicherungen. Sie greift bei Schäden, die im Rahmen der Veranstaltung an Personen, Sachen oder dem Veranstaltungsort entstehen. Benötigen Sie zur Ausübung Ihrer Tätigkeit teures Equipment, sollten Sie eine Equipmentversicherung ins Auge fassen. Sie schützt Ihr wertvolles Betriebskapital und verschafft Ihnen im Notfall die finanziellen Möglichkeiten schnell Ersatzequipment zu beschaffen, um Ihre Tätigkeit weiter ausüben zu können.