Für viele Facebook-User ist der mehrfache Blick am Tag auf den News Feed längst zur Routine geworden. Aber Routine wird auch schnell langweilig, wenn Facebook den Usern täglich die gleichen Inhalte präsentiert. Um die Verweildauer auf der Seite zu erhöhen, hat Facebook nun eine neue Funktion eingeführt. Der sogenannte Entdecker-Feed soll die Benutzer des Portals dazu verlocken, neue Seiten zu entdecken, die sie bisher nicht kannten. Aber wie funktioniert das genau und was bedeutet es für das Social Media Marketing?

Was unterscheidet den Entdecker-Feed vom News Feed?

Im herkömmlichen News Feed werden Posts von Freunden, von Seiten, denen User folgen, und bezahlte Werbung angezeigt. Hier haben Facebooknutzer nur die Möglichkeit, zwischen Top-Themen und neusten Nachrichten zu wählen. Die Jagd nach Likes hat also für Unternehmensseiten einen hohen Stellenwert, denn die Reichweite hängt unmittelbar mit der Zahl der Likes zusammen. Trotzdem bekommen längst nicht alle Follower einer Seite Beiträge auch wirklich angezeigt und viele Seitenbetreiber beobachten, dass ihre organische Reichweite immer weiter eingeschränkt wird.

Der Entdecker-Feed soll jetzt Usern eine Alternative bieten, um neue und bisher unbekannte Seiten und Inhalte zu entdecken. Denn dieser alternative Feed zeigt keine Beiträge von Freunden und auch nicht die Posts der Lieblingsseiten an. Hier stellt der Algorithmus die beliebtesten Beiträge bereit, die den User aufgrund seines Verhaltens auf Facebook interessieren könnten. Der Sinn dieser neuen Funktion soll darin bestehen, das Portal interessanter zu machen und die Verweildauer zu erhöhen.

Für kleinere Seitenbetreiber klingt das zuerst nach einer Chance auf neue Sichtbarkeit. Doch wie sieht das in der Praxis aus? Bisher ist der alternative Feed kaum bekannt und auch schwer zu finden. Am PC befindet er sich nicht oben auf der Startseite beim bekannten News Feed, sondern muss erst mühsam unter dem Menü-Punkt »Entdecken« gesucht und geöffnet werden. User stoßen also nicht gerade mit der Nase auf die neue Funktion. Auf Smartphones findet sich der neue Entdecker-Feed unter dem Reiter »Apps« in der Hauptnavigation. Bisher halten sich die Besucherströme daher in Grenzen und Facebook gab an, dass hier auch die Beiträge angezeigt werden, die bereits populär sind und eine große Reichweite erzielt haben. Die Hoffnung für Seiten mit wenigen Likes, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, verläuft also leider im Sande.

Sechs Länder durchlaufen eine Testphase

Im Zuge dieser neuen Entwicklung lässt Facebook in Bolivien, Guatemala, Sri Lanka, Kambodscha, Serbien und Sechs Länder durchlaufen eine Testphaseder Slowakei einen Test laufen, der vielen Seitenbetreibern Sorgen bereitet. Hier werden auch Inhalte von Seiten und Medien, denen Nutzer folgen, in den Entdecker-Feed verschoben. Wer die Inhalte seiner gelikten Seiten verfolgen möchte, muss in den neuen Feed wechseln. Medienposts haben also keine Chance mehr, auf der normalen Timeline angezeigt zu werden. Es sei denn, sie sind bereit, in bezahlte Werbung zu investieren, um sich den Platz im News Feed zurückzukaufen.

Viele Medien in den betroffenen Ländern erlebten einen Rückgang an Shares, Likes und Kommentaren von 65 %. Einige traf es noch härter und die Reichweite brach um 90 % ein. Laut Facebook ist diese Änderung nicht für den weltweiten Markt geplant. Jedoch wird durch dieses Vorgehen Unternehmen in aller Welt wieder einmal bewusst, wie mächtig das Social Media Portal ist. Wer auf Facebook Reichweite erlangen will, muss auch nach den Regeln des Portals spielen und im Notfall eben auf bezahlte Werbeeinblendungen zurückgreifen.

Was bedeutet der neue Entdecker Feed für Unternehmer?

Die Tatsache, dass Facebook den organischen Aufbau einer lohnenden Reichweite immer weiter erschwert, scheint auf der Hand zu liegen. Zurzeit scheint das Portal auf eine zweigeteilte Post-Struktur zuzusteuern. Der gewohnte News Feed ist allein den Posts von Freunden und bezahlter Werbung vorbehalten, während immer mehr Medien und Seitenbetreiber in den Entdecker-Feed abgedrängt werden. Es bleibt abzuwarten, ob die User diese zweite Timeline als interessante Alternative annehmen werden, oder ob der Stream sich zur Geisterstadt entwickelt.

Für Unternehmer wird es daher noch wichtiger werden, interessante Inhalte zu bieten, die ihre Follower unterhalten, informieren und einen echten Mehrwert bieten. Auch sollten Seitenbetreiber in Zukunft noch stärker darauf achten, zu Interaktionen einzuladen. Denn auf eines ist Facebook mit Sicherheit angewiesen und das ist interessanter Content, auf den die Leser reagieren. Ohne abwechslungsreiche Beiträge, die den Besuch des Portals noch lohnenswert machen, werden viele User abwandern und sich auf anderen Portalen wiedertreffen.