Vermutlich sind auch Sie mit Märchen und Sagen aufgewachsen. Wer kennt sie nicht, die zahlreichen Helden, deren Epen seit nunmehr vielen Jahrhunderten erzählt werden? Gäbe es eine solche Geschichte auch über Sie, wie würde diese wohl klingen? Nutzen Sie Storytelling im Bewerbungsgespräch oder schon beim Anschreiben. Erzählen Sie aus Ihrer beruflichen wie privaten Vergangenheit.

Allgemeines zum Storytelling

Versuchen Sie einmal, sich in den Alltag eines Chefs der Personalabteilung hineinzuversetzen, über dessen Schreibtisch in jedem Jahr wohl mehrere einhundert Bewerbungsmappen laufen. Wie eintönig wird es ihm vorkommen, immer wieder eine Aneinanderreihung von Fakten und Daten zu lesen? Genauso wird es ihm auch bei einem Bewerbungsgespräch ergehen. Dahingegen kann das Storytelling etwas mehr Schwung in die Angelegenheit bringen. Wie ein roter Faden zieht sich Ihre Darstellung des Erlebten durch die eingesandten Unterlagen oder durch das Gespräch. Sie sind nun der Held Ihrer Geschichte – dem der Leser hoffentlich interessiert, vielleicht sogar gebannt folgt. Und für den er im optimalen Falle so etwas wie erste Sympathien entwickelt.

Nicht alles erklärt sich von selbst

Nicht alles erklärt sich von selbstFür den Personalchef ist es oft schwierig, sich anhand der reinen Bewerbungsunterlagen ein konkretes Bild von den Personen zu entwickeln, die um den freien Job kämpfen. Insbesondere Brüche wie etwa längere Auszeiten, Arbeitsplatz- und Branchenwechsel oder größere Lücken in der chronologischen Aneinanderreihung der bisherigen Karrierestationen lassen sich für ihn mit einem Blick kaum erklären. In diesen Fällen kann es sich für Sie lohnen, eine eigene Erzählung um das Erlebte herum aufzubauen. Beziehen Sie den Leser in das Geschehen ein, führen Sie ihn zu jenen markanten Punkten, die in der Bewerbung nicht selbsterklärend sind – und zeigen Sie damit notwendige Hintergründe auf.

 

Die Geschichte erzählt viel über Sie

Neben dem reinen Inhalt drückt das Storytelling einiges über Ihren Charakter aus. So beweisen Sie die Fähigkeit, sich selbst und das bisher Erlebte zu reflektieren, aus Fehlern zu lernen, die eigenen Stärken und Schwächen realistisch einzuschätzen. Mit dem präsentierten Maß an Kreativität haben Sie die Herausforderung bewältigt, sogar Schwieriges aus Ihrem Lebenslauf anschaulich darzustellen. Sie scheuen Sich nicht davor, mit Negativem oder Kritikwürdigem konfrontiert zu werden. Ebenso gehen Sie ein gewisses Risiko ein – denn das Storytelling gehört unter den Bewerbungsanschreiben noch immer zu den Besonderheiten. Mut, Einfallsreichtum und Selbstreflexion zahlen sich im Regelfall aber aus und können Ihnen manche Tür öffnen.

Wer sind Sie?

Doch Vorsicht, es sei Ihnen davon abgeraten, einfach draufloszuschreiben. Reflektieren Sie die bisherigen beruflichen und privaten Erfahrungen zunächst selbst und reihen Sie diese chronologisch aneinander. Oft ergibt sich bereits daraus ein roter Faden, dem Sie für die Geschichte folgen können. Gab es vielleicht sogar ein Motto, dem Sie stets nacheifern wollten? Oder ein Idol, das Sie beeinflusst hat? Genau dieser kleiner Antrieb ist es, der Sie von anderen Bewerbern unterscheidet. Denn wichtig ist nicht alleine, was Sie gemacht haben – das „Warum?“ schwebt immer über Ihren Erlebnissen. Auf diese eine Frage müssen Sie dem Leser der Bewerbung eine plausible Antwort geben.

Entwickeln Sie Visionen

Entwickeln Sie Visionen

Üblicherweise sollten Sie das Storytelling mit dem bereits angesprochenen Motto, einem Zitat oder einem Kernsatz beginnen. Begreifen Sie diese wenigen Worte als Wanderkarte durch Ihre Karriere. Zeigen Sie dem Leser vom Start weg auf, wohin der Weg führt. Kreieren Sie in seinem Kopf aber auch anschauliche Bilder, schmücken Sie die eigene Sprache aus, verzichten Sie auf abstrakte Begriffe. Bewegen Sie das eigene Ich – denn Sie sind die Hauptfigur der Geschichte – von einer zur nächsten Station. Beschreiben Sie, welche Pausen Sie in all den Jahren eingelegt haben, welche Erlebnisse Ihnen dabei zukamen, welche Erkenntnisse Sie gewinnen konnten. Prägende Meilensteine, mit denen sich mancher Einschnitt des Berufslebens anschaulich vermitteln lassen dürfte.

Nicht jede Geschichte eignet sich

Allerdings wäre es falsch, jede Bewerbung oder jedes Bewerbungsgespräch nun um das Storytelling zu ergänzen. Besitzen Sie einen weitgehend makellosen und selbsterklärenden Lebenslauf, zu dem vielleicht beste Referenzen gehören, dann benötigen Sie keine Rahmengeschichte. Gleiches gilt, wenn Sie bereits das passende Profil für den freien Job mitbringen. In diesem Fall müssen Sie keine Kreativität mehr beweisen – ergreifen Sie einfach die sich bietende Chance. Zudem ist es wichtig, bei einer Erzählung nicht zu übertreiben. Lassen Sie sich von dem lenken, was Sie tatsächlich erlebt haben. Seien Sie zu sich und dem Leser ehrlich – auch, wenn sich dabei herausstellen sollte, dass Sie vielleicht doch kein Held sind. Dann aber haben Sie zumindest den Mut zur Wahrheit bewiesen.