Zwei Herausforderungen sehen sich die Unternehmenslenker aktuell gegenüber: Die digitale Revolution erzwingt technologische Anpassungen, außerdem ist beim Wirtschaften mehr denn je Nachhaltigkeit gefragt. Wie gehen große und kleine Firmen damit um?

Digitale Transformation

Die Unternehmen und der Sozialstaat sind hinsichtlich der digitalen Transformation gefordert. Die technologische Revolution führt nämlich auch zu Einschnitten bei der Beschäftigung. Sie schafft freilich auch neue Jobs – aber an anderer Stelle. Noch dazu sind das hoch qualifizierte Beschäftigungen, für die eine betriebsinterne Umschulung genügen kann, aber nicht muss. Uber macht den klassischen Taxis Konkurrenz, Reisende ersetzen das klassische Hotel durch die Buchung einer Privatwohnung auf AirBnB, Zahnkronen fertigt der 3D-Drucker und nicht mehr der Zahntechniker. In allen Bereichen ändert die Digitalisierung das Wirtschaftsleben. Experten verweisen darauf, dass gerade der Mittelstand den Wandel nicht verpassen solle. Der Staat sei ebenfalls nicht genügend für die Umwälzungen gewappnet. Die deutsche Bundesregierung verschließe die Augen vor der Tatsache, dass Gewinne aus neuen digitalen Technologien sehr ungleich verteilt würden und technologischer Fortschritt auch zu mehr Arbeitslosigkeit führen könne. Der Direktor des Hamburger HWWI (Hamburgisches Weltwirtschaftsinstitut) Henning Vöpel verweist darauf, dass sich eine wahre Revolution abspielt, deren Herausforderungen noch nicht vollständig verstanden werden. Vom HWWI und der Berenberg Bank stammt eine Studie zur “Digitalökonomie Strategie 2030“, die 2015 die enormen Umwälzungen genauer untersuchte. Laut dieser Studie wird die nächste Stufe der digitalen Transformation vor allem durch zwei große technologische Entwicklungen geprägt werden:

Industrie 4.0

In der vernetzten Produktion kommunizieren Maschinen und Produkte miteinander. Dieses Internet der Dinge (IoT für Internet of Things) stellt eine gravierende Änderung des bisher gewohnten Produktionsprozesses dar: Der Mensch als Kontrollinstanz entfällt über weite Strecken.

Big Data

Es ist nun möglich, riesige Datenmengen zu verarbeiten. Informationen werden blitzschnell zugänglich. Das ist für den internen Produktionsprozess eines Unternehmens gut, wenn die Mitarbeiter entsprechend geschult werden. Doch es verändert auch die Märkte. Konkurrenten können heute blitzschnell auftauchen und sofort sehr stark sein. Dazu trägt auch die Globalisierung in Verbindung mit der Digitalisierung bei. Diese Entwicklung ist nicht gänzlich neu, sie hat in Deutschland schon Opfer gefordert: Das deutsche Solarunternehmen Solarworld, im TecDax gelistet und einst eine Vorzeigefirma mit modernster Technologie, war der chinesischen Konkurrenz nicht gewachsen und meldete 2017 Insolvenz an. Solarworld ist ein Beispiel für ein Unternehmen, das den Wandel auf den schnellen Märkten des 21. Jahrhunderts nicht schnell genug geschafft hat.

Unternehmenslenker müssen sich auf die Digitalisierung einstellen

Unternehmenslenker müssen sich daher der Digitalisierung stellen, Verschleppungen können das Aus bedeuten. Noch ein Fakt ist zu beachten: Die Digitalisierung schafft Monopolstellungen. In der Onlinewirtschaft sind dadurch Firmen wie Google und Amazon entstanden, doch auch die klassische Industrie muss Acht geben, wie das Beispiel Solarworld beweist. Die chinesische Konkurrenz gewann ja nicht nur durch die (staatlich subventionierten) chinesischen Dumpingpreise für Solarmodule, sondern vor allem deshalb, weil die Informationen zu den Angeboten aus China und der Nachfrage aus Europa online sofort zur Verfügung standen. Die Chinesen konnten daher blitzschnell reagieren und den europäischen Markt in wenigen Jahren überrollen. Als Nächstes könnten sie das mit Elektroautos und anderen Technologien probieren.

Wettbewerbsfähig, im Rahmen der Nachhaltigkeit

Killer der Nachhaltigkeit: Sture Blick auf Quartalszahlen

Die Forderung nach nachhaltigem Wirtschaften ist nicht neu, doch die Anstrengungen in dieser Hinsicht dürfen nicht nachlassen. Sie lohnen sich, denn nachhaltig wirtschaftende Firmen sind ökonomisch erfolgreicher – und zwar auch auf sehr kurze Sicht. Das erstaunt, denn als Killer der Nachhaltigkeit galt bislang der sture Blick auf die Quartalszahlen, die den Aktionären gefallen mussten. Stimmten diese Zahlen nicht, wurde zuerst bei nachhaltig wirkenden Projekten gekürzt. Das ist überflüssig, meint unter Professor Didier Cossin von der Schweizer IMD Business School. Das kurzfristige Denken lohne sich auch wirtschaftlich keinesfalls. Schließlich verkaufe auch niemand sein Haus, nur weil dessen Wert in den letzten Wochen wegen irgendwelcher Marktschwankungen etwas gefallen ist. Unternehmen, die das erkannt haben, seien laut Prof. Cossin nachweislich auch auf kurze Sicht – selbst auf Quartalssicht – erfolgreicher. Belege sammelte der Schweizer Finanzexperte unter anderem bei vielen deutschen Konzernen. Diese können stolz auf ihren Platz in internationalen Ranking der Nachhaltigkeit verweisen. An der Spitze solcher Listen finden sich BMW, SAP, Henkel, Siemens und Umicore. Letztgenanntes Unternehmen führt das Ranking an, es stammt freilich aus Belgien und steht für saubere Technologien. Nachhaltigkeit bedeutet, Ökonomie, Ökologie und soziales Handeln zu vereinen. Das lohnt sich erwiesenermaßen.