Die Digitalisierung steht in mittelständischen deutschen Unternehmen vor großen Herausforderungen und gilt aktuell noch als stark ausbaufähig. Das geht aus einer Studie des ZEW (Zentrum für-Europäische Wirtschaftsforschung) gemeinsam mit dem infas Institut hervor. Auftraggeber der Studie war die KfW Bankengruppe.

Stand der Digitalisierung Ende 2016

Nach der Ende 2016 vorgelegten Studie haben nur knapp 20 Prozent aller deutschen Mittelständler mit der digitalen Vernetzung ihrer Produkte und Dienstleistungen bis zu marktfähigen Lösungen begonnen. Diese Unternehmen gelten als Vorreiter. Es lassen sich demzufolge drei Gruppen deutscher Mittelständler mit unterschiedlichem Digitalisierungsgrad feststellen:

-19 Prozent gehören zu den genannten Vorreitern.
-49 Prozent rangieren im Mittelfeld mit mäßigem Digitalisierungsgrad in Einzelbereichen.
-32 Prozent müssen als Nachzügler klassifiziert werden. In diesen Firmen bestehen grundlegende Defizite bei der digitalen Infrastruktur.

Die Nachzügler verfügen in vielen Fällen nicht einmal über eine eigene Webseite oder über eine ERP Software (Enterprise Resource Planning), die für produzierende und vertreibende Unternehmen heute als unerlässlich gilt. In dieser Gruppe finden sich besondere viele kleine Unternehmen mit einem Mitarbeiterstamm von unter 50 Beschäftigten.

Wie nutzen deutsche Mittelständler die Möglichkeiten der Digitalisierung?

Bei den immerhin 68 Prozent aller Firmen, die mit digitalen Lösungen operieren, entsteht dadurch eine erhöhte Flexibilität und Interaktivität. Die Unternehmen sind infolgedessen zu einer sinnvollen Verknüpfung komplexer Information imstande. Die Vorreiter unter ihnen nutzen digitale Produkte und Dienstleistungen als wichtigen Bestandteil ihres Geschäftsmodells. Dazu zählen Apps für Kunden und Mitarbeiter, der durchgängige Einsatz von ERP, die eigene Homepage und in vielen Fällen der Vertrieb über einen eigenen Online-Shop sowie Industrie 4.0 Projekte. Dennoch stellt die vorliegende Studie fest, dass auch in der Vorreitergruppe die Digitalisierung noch deutlich ausbaufähig ist. Demnach fehlen vielfach übergreifende Strategien zur Digitalisierung. Dennoch ist die Zahl und auch die Qualität digitaler Projekte teilweise bemerkenswert. Es gehören dazu:

-technologische Projekte wie die Anschaffung neuer Hard- und Software Ausbau desWebshop als Schritt in die Digitalisierung des Unternehmens
-Investitionen in die IT-Sicherheit
-Aufbau der eigenen Webseite und/oder des eigenen Online-Shops
-IT-Bezugsformen wie die ditigale Verknüpfung mit Lieferanten
-IT-Weiterbildung und -Beratung
-Reorganisation des Workflows mit digitalen Möglichkeiten

Die Vorreiterunternehmen realisieren beinahe doppelt so häufig entsprechende Kompetenzprojekte wie die Nachzügler. Ein offensichtliches, übergreifendes Problem des deutschen Mittelstands ist indes die Geschwindigkeit der Digitalisierung: Die meisten mittelständischen Firmen bauen durchaus ihre Digitalisierung aus, aber sie kommen nur in sehr kleinen Schritten voran.

Investitionen in die Digitalisierung

46 Prozent der deutschen Mittelständler investieren unter 10.000 Euro jährlich in ihre Digitalisierung, während nur 12 Prozent über 40.000 Euro investieren. Die Gesamtausgaben des deutschen Mittelstands für digitale Projekte betrugen – interpoliert für den Zeitraum von Anfang 2015 bis Mitte 2016 – jährlich rund zehn Milliarden. Prekär erscheint, dass eine knappe Mehrheit mittelständischer Unternehmen die betreffenden Ausgaben in den kommenden drei Jahren nicht steigern möchte. Die Finanzierung erfolge überwiegend über den Cashflow der Firmen, so die Autoren der Studie. Das liege aber weniger an den Unternehmern als an Schwierigkeiten, für digitale Projekte bei der Bank einen Kredit zu bekommen. Demnach werden 77 Prozent aller digitalen Projekte durch direkte Geldflüsse aus Unternehmensgewinnen und 17 Prozent via Leasing bezahlt, nur fünf Prozent sind kreditfinanziert.

Welche Möglichkeiten haben deutsche Mittelständler für die erfolgreiche Digitalisierung?

Digitalisierung als globales Phänomen betrifft zunehmend auch mittelständische UnternehmenDurch die Schwierigkeiten bei der Finanzierung empfiehlt die vorliegende Studie, das Know-how der Belegschaft permanent und nachdrücklich zu steigern, was vergleichsweise wenig koste. Auch die nötigen Investitionen in Hard- und Software seien eigentlich gering. Es fehle aber vorrangig an Wissen. Dieses müsse auch rechtliche Standards umfassen. Zudem sollten sich die Unternehmer sehr stark mit den Problemen der Datensicherheit befassen, die ein häufiges Hemmnis für das Vorantreiben digitaler Projekte seien. Es gäbe viele ausgereifte Lösungen für eine nach außen vernetzte IT-Struktur, nur seien diese in vielen Firmen gar nicht bekannt – wiederum ein Problem des fehlenden Know-hows. Wenn diese Probleme gelöst würden, könnte der deutsche Mittelstand aus den Potenzialen der Digitalisierung große Mehrwerte generieren. Ansonsten drohe ein Verlust der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

Chancen durch Digitalisierungsprojekte des Mittelstands

Industrie 4.0 Projekte sind das Paradebeispiel für Innovation. Sie führen zu vollkommen neuen technologischen Lösungen, mit denen deutsche Mittelständler in Einzelbereichen die Weltmarktführerschaft übernehmen können. Ferner bewirken sie immer eine Effizienzsteigerung und bedienen viel stärker als bisher die Kundenbedürfnisse. Ein Vorteil dieser Projekte ist ihr evolutionärer Charakter: Sie entwickeln sich allmählich bei überschaubaren Projektkosten und Risiken. Wenn der deutsche Mittelstand die Chancen der Digitalisierung nutzt, dürfte Deutschland weiter Exportweltmeister und technologischer Weltmarktführer bleiben.