In der Arbeitswelt geht die Tendenz heutzutage immer mehr in Richtung freier Arbeits- und Zeiteinteilung. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Rufe nach einer Vier-Tage-Woche lauter werden. Freizeit ist ein kostbares Gut, das mit den Möglichkeiten der heutigen Zeit sinnvoll und stimmungsfördernd genutzt werden kann.

Was vor einigen Jahren als Jugendphänomen und emanzipatorische Bewegung junger Mütter begann, findet zunehmend Akzeptanz, auch in der Riege erfahrener und alteingesessener Arbeitskräfte. Dies weist daraufhin, dass wir es hier nicht mit einem Faulheitssyndrom der jüngeren Generationen zu tun haben, sondern vielmehr mit einem sich wandelnden Verständnis von der Arbeit als solcher.

Sinn und Auswirkungen der Vier-Tage-Woche

Für Angestellte liegt der Anreiz einer Vier-Tage-Woche in einer deutlich erhöhten Lebensqualität. Viele Menschen bekennen heute, dass sie gerne weniger Arbeit für weniger Geld verrichten würden. Diese Reduktion der reinen Arbeitszeit muss jedoch nicht zwangsläufig auch auf Kosten des Arbeitspensums gehen.

Auch Unternehmen können von einem dynamisierten Arbeitsverständnis profitieren, das dem Faktor Zeit weniger Bedeutung beimisst und die Freisetzung von Ressourcen via Steigerung der Lebensqualität anerkennt. Ein freier Tag bedeutet einen Tag mehr Auszeit und Erholung, einen Tag mehr Familie, Freunde und Hobbys. Das Leben der Angestellten wird erfüllter, die Arbeitsmoral steigt.

Noch viel wichtiger als der wiederbelebte Eifer bei der Arbeit ist die womöglich fruchtbare Auswirkung eines zusätzlichen freien Tages auf die Kreativität und den Einfallsreichtum. Neue und angenehme Reize von außen können die mentalen und kognitiven Kapazitäten der Angestellten stimulieren und somit zu einer Aktivierung neuer Denkströme beitragen. Dies ermöglicht unkonventionelle Denkansätze, effizientere Arbeitsweisen und eine befreitere Haltung zur Arbeit an sich.

Juristische Bestimmungen

Nach § 3 S. 1 ArbZG gilt eine tägliche Höchstbeschäftigungszeit von 8 Stunden. Da sich die juristischen Bestimmungen jedoch noch auf eine Arbeitswoche mit sechs Tagen beziehen, wird in der Praxis häufig der Durchschnitt der sechstägigen Arbeitswoche zur Bestimmung der täglichen Arbeitszeit herangezogen. Bei einer Vier-Tage-Woche mit 10 Stunden pro Tag wären das 6,67 Stunden pro Tag und damit zulässig.

Betriebe können also bei der Festlegung der Arbeitszeiten ihrer Angestellten eine Sechs-Tage-Woche zugrunde legen, obwohl die Angestellten nur fünf oder sogar nur vier Tage in der Woche arbeiten.

Arbeitszeit und Lohn

Ein Tag weniger bedeutet bei einer normalen 40-Stunden-Woche, dass 8 Stunden Arbeitszeit wegfallen. Diese müssen in der Sinn und Auswirkungen der 4-Tage-WocheRegel kompensiert werden, da die meisten Unternehmen bei der Umstellung auf eine 4-Tage-Woche keine zusätzlichen Arbeitskräfte einstellen wollen.

Derzeit wird die Vier-Tage-Woche von den Unternehmen individuell gestaltet. Es gibt kein Modell nach dem Schema F, das die Majorität der Unternehmen bei der Beschäftigung ihrer Angestellten anwendet. Grundsätzlich haben sich aus dem Wust der verschiedensten Ansätze zwei Favoriten herauskristallisiert.

Typ A:

Hier arbeitet der Angestellte nur noch an vier Tagen in der Woche. Er absolviert vier Fünftel seiner ursprünglichen Arbeitszeit und verzichtet dafür auf einen Teil seines Lohns. Dieses Modell ist insbesondere für Männer und Frauen interessant, deren Familieneinkommen auch bei geringfügigen Einbußen ausreichend ist. Der gewonnene Tag können Arbeitnehmer zum Beispiel verwenden, um Zeit mit dem Nachwuchs zu verbringen.

Typ B:

In diesem Fall werden die restlichen 8 Stunden auf die vier Werktage verteilt, was zu einer höheren Tagesbelastung führt. Der Angestellte erhält weiterhin seinen vollen Lohn. Er trägt die Arbeit an den ohnehin schon vollen Werktagen ab und kann dafür ein dauerhaft verlängertes Wochenende genießen.

Manche Unternehmen wollen die Flexibilität ihrer Mitarbeiter erhöhen, indem sie die Entscheidung über das Arbeitsmodell in die Hände ihrer Angestellten legen.

Die Zukunft der Arbeit?

Die Vier-Tage Woche zeigt, dass der Trend in Richtung einer freien Einteilung der Arbeit auf der Seite der Angestellten geht.Die Arbeitswelt befindet sich derzeit in einem Stadium der konstanten Veränderung. Die gewohnten Arbeitskonventionen des 20. Jahrhunderts werden im Zuge der fortschreitenden Anpassung von Arbeitsmodellen innerhalb von Firmen und Gesellschaften zu Optionen statt Richtlinien. Mit der Vier-Tage-Woche existiert ein immer beliebteres Gegenkonzept zur herkömmlichen Werktagswoche.

Die Vier-Tage-Woche bringt für Angestellte und Firmen gleichermaßen Vorzüge mit sich, sollte aber nicht als alleiniger Heilsbringer angesehen werden. Sie ist ein Modell von vielen, zeigt aber auf, dass der Trend in Richtung einer freien Einteilung der Arbeit auf der Seite der Angestellten geht. Manch einer freut sich über einen freien Tag. Ein anderer arbeitet dafür lieber vollflexibel sechs Tage in der Woche, um sich an jedem Tag mehrere Auszeiten nehmen zu können.

Mit der Vier-Tage-Woche hat ein Konzept Eingang in die freie Wirtschaft gefunden, die die begonnene Individualisierung der Arbeit weiter vorantreibt.