Das aus den USA stammende Design Thinking erinnert ein wenig an fantasievolle Legenden rund um erfolgreiche IT-Start-ups: Manager im Designeranzug basteln in der Spieleecke mit Legosteinen; Top-Führungskräfte üben sich spielerisch im nicht-lineares Denken und malen mit Buntstiften bahnbrechende neue Unternehmensstrategien auf die Tafel; Entwickler tüfteln nicht mehr alleine im Kämmerchen, sondern gemeinsam mit dem Kunden direkt vor Ort am nächsten Produkt.

Probleme praktisch, kreativ und systematisch lösen

Doch Design Thinking ist viel mehr als ein Hype und ein Modewort, sondern eine erprobte Methode um in einer komplexen Zeit komplexe Probleme zu lösen. Das gelingt, indem kreatives Denken gefördert und zielgerichtet eingesetzt wird. Am besten funktioniert das im Team, wenn Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen gemeinsam arbeiten.

Das sich stets weiterentwickelnde Design Thinking geht heute darüber noch hinaus. Er ist nicht mehr „nur“ eine Methode für die intelligente Entwicklung neuer Produkte und Services, sondern beschreibt mittlerweile eine ganz neue Art der Arbeit, bei der „Herrschaftswissen“ durch eine Wir-Intelligenz ersetzt wird. Diese neuartige „Schwarmintelligenz“ wird zur Basis für ein neues Arbeitsbewusstsein mit ganz anderen Formen der kreativen Zusammenarbeit.

Die Toolbox des Design Thinking

Steht Design Thinking im Terminkalender, trifft sich eine Gruppe von Mitarbeitern und im Idealfall auch von Kunden zu einem Austausch, der gezielt moderiert wird. Dabei gibt es einen stetigen Wechsel zwischen freiem Denken und Analyse, der den Ablauf designt und der der Methode ihren Namen gibt.

Dieser strukturierte Austausch läuft in Schritten ab, bei denen sich Versuch und Irrtum abwechseln. Die aus jedem Irrtum Die Toolbox des Design Thinkinggewonnen Erkenntnisse bringen den Prozess voran, der sich in mehrere Phasen einteilen lässt.

1. Beobachten, verstehen und einfühlen

Beim Design Thinking geht es zunächst immer um das Beobachten und um folgende Fragen: Welche Trends sind aktuell wichtig? Welche Bedürfnisse und Motive haben (potenzielle) Kunden? Dabei sollte sich das Team emphatisch, aber auch auf Basis von handfestem Datenmaterial möglichst gut in die Kunden hineinversetzen.

2. Strukturieren und definieren

Die im ersten Schritt gewonnenen Erkenntnisse gilt es nun zu strukturieren und aus der Sichtweise des Kunden zu definieren, bis sich sozusagen ein zu lösendes Hauptproblem herauskristallisiert.

3. Ideen entwickeln

Sobald man festgelegt hat, was der Kunde braucht, woran es ihn mangelt und welche Probleme sozusagen nach Lösungen schreien, folgt Schritt 3. Jetzt sammelt man in Diskussionsrunden Ideen. Dazu führt das Projektteam mehrere Brainstorming-Sitzungen durch, bei denen die entwickelten Ideen nach drei Hauptfaktoren beurteilt werden: nach ihrer menschlichen Erwünschtheit, nach ihrer wirtschaftlichen Rentabilität und nach ihrer technologischen Machbarkeit.

4. Prototyping testen

Das Prototyping hilft bei der Überprüfung der entwickelten Ideen und Konzepte. Dabei kann es schon um einen handfesten Entwurf (einen ersten Prototyp) gehen, oder um das Ausprobieren neuer Services im Rollenspiel. Das dabei erzielte Feedback hilft bei der weiteren Verbesserung der Ideen, die man dann wiederum im Prototyping überprüft. Beim Materialisieren von Ideen können etwa Lego-Steine oder anderes Bastelmaterial eingesetzt werden.

Das Besondere an diesem Prozess ist dabei eine ganz neue Art der Zusammenarbeit. Mit flexiblen Räumen und vor allem mit Interdisziplinarität, die auch Kunden, Experten aus anderen Unternehmen, von Start-ups oder Studenten einbindet. Sie kommen im Idealfall aus unterschiedlichen Altersgruppen, aus verschiedenen beruflichen Zweigen oder auch kulturellen Umfeldern, um die Thematik möglichst vielschichtig zu beleuchten. Um den Geist zu beflügeln, wird nicht nur sitzend am Konferenztisch gedacht und gearbeitet. Arbeiten im Stehen oder auch mal beim Spazieren, das Schreiben auf Whiteboards und mobile räumliche Konzepte erleichtern beim Design-Thinking die Denkarbeit.

Man muss kein kreatives Start-up sein, um Design-Thinking zu nutzen

Design Thinking ist nicht nur „bunten“ Kreativunternehmen vorbehalten. Ganz im Gegenteil: Gerade traditionelle Unternehmen profitieren oft besonders davon, den Pfad der häufig begangenen Wege zu verlassen und Neues auszuprobieren. Jede Führungskraft, die mit komplexen Fragen konfrontiert ist, kann sich damit zudem wertvolle Anregungen holen. Auch Man muss kein kreatives Start-up sein, um Design-Thinking zu nutzenFachgrenzen spielen bei den interdisziplinären Teams keine Rolle.

Von der kollektiven Intelligenz des Design Thinking profitieren dabei ganz besonders KMU, die oft nicht den Entwicklungsaufwand größerer Unternehmen tragen können. Design-Thinking öffnet ihnen die Welt zu nutzerorientieren, außergewöhnlichen Lösungen bei geringem Entwicklungsaufwand.

Wie wirksam das Ganze ist, belegt eine aktuelle Studie der School of Design Thinking am Hasso-Plattner-Institut der Universität Potsdam, die unter anderem durch „D-Light“, die Solarlampe für die dritte Welt, auf sich aufmerksam gemacht hat. Demnach zeigte sich, dass sich durch Design Thinking klar und nachhaltig die Prozesse im Unternehmen und die Erfahrungen der Kunden verbessern ließen. Dies schlägt sich langfristig auch bei der Wirtschaftlichkeit positiv zu Buche.