Was genau ist Crowdfunding?

Crowdfunding (im Deutschen auch manchmal Schwarmfinanzierung genannt) bezeichnet eine Finanzierungsmöglichkeit für Projekte zur Umsetzung von Geschäftsideen sowie für die Einführung von neuen Produkten. Die Besonderheit an dieser Finanzierungsart ist, dass die Kapitalgeber aus einer Anzahl von Personen bestehen, die in der Regel über das Internet auf Crowdfunding-Projekte aufmerksam werden. Hier werden die Vorhaben ausgeschrieben und die Gegenleistungen definiert, die die Crowdfunder (Kapitalgeber) in Form von Sachleistungen, Geld oder Rechten erhalten. Hinzuzufügen ist, dass die Einlage der Kapitalgeber im Verhältnis zur Kapitalmenge sehr gering sein kann.

Abzugrenzen ist der Begriff Crowdfunding von Crowdsourcing. Darunter versteht man nämlich das Ausgliedern von Aufgaben eines Unternehmens an eine Menge von Personen. Ein klassisches Beispiel ist die freie Enzyklopädie Wikipedia, die eine Plattform für Artikel bietet, die von willkürlichen Internetnutzern geschrieben werden.

Wie funktioniert ein Crowdfunding-Projekt?

Ein Projekt, eine Aktion wird ins Leben gerufen und eine Mindestkapitalmenge, die durch das Crowdfunding finanziert werden soll, festgelegt.

  • Crowdfunding - Als Nächstes wird die Gegenleistung für die Crowdfunder definiert wie auch der Zeitpunkt der „Auszahlung“.
  • Die Ausschreibung des Projekts sowie die Kommunikation zwischen Gründer und Kapitalgeber passieren über eine Online-Plattform. Hier werden alle Modalitäten wie auch die genaue Beschreibung des Projektes, des Produktes oder der Idee hinterlegt.
  • Nun folgt die Realisierung des Projektes, wenn das Crowdfunding erfolgreich war.
  • Zuletzt wird die Gegenleistung an die Geldgeber ausgezahlt.

Vorteile und Herausforderung

Auf den ersten Blick fördert Crowdfunding mehr Vorteile als Nachteile zu Tage. Eine Übersicht:

  • Da kein Dritter zwischengeschaltet ist, handelt es sich bei der Schwarmfinanzierung um recht „günstiges“ Geld und daher um einen vorteilhaften Finanzierungsweg.
  • Durch die Kommunikation mit den Kapitalgebern und dem öffentlichen Diskurs kommt dem zu finanzierenden Projekt viel PR zugute. Überdies können die Crowdfunder als Multiplikatoren der Aktion verstanden werden, die ihrerseits ein Interesse am Gelingen der Idee haben.
  • Das Risiko eines späteren Scheiterns kann schon im Zuge der Finanzierung abgeschätzt werden. Crowdfunding ist also auch als Markttest für Innovation zu verstehen.
  • Einkauf und Produktion des Vorhabens sind gut planbar, da die Finanzierung schon vor Projektbeginn steht.

Aber neben vielen bekannten erfolgreichen Projekten gibt es auch gescheiterte Aktionen, die die Herausforderungen der Finanzierungsart betonen. So benötigt eine Crowdfunding-Kampagne schon im Vorfeld ein ausgereiftes Netzwerk von „Fans“, die dann nach einiger Zeit das Projekt als Kapitalgeber unterstützen. Rund 40 Prozent der Kampagnen scheitern – das ist fast die Hälfte der Projekte, was enorm ist! Die potentiellen Crowdfunder müssen sich darüber bewusst sein, dass jede Aktion, jede Idee und jedes Produkt auch nach Einführung noch scheitern und im Erdboden versinken kann. Das ist ein Risiko, das nicht jeder bereit ist einzugehen.

Beispiele von Crowdfunding-Projekten

Crowdfunding - neue Art der GeldbeschaffungEines der prominentesten Beispiele ist wohl das Projekt „Stromberg – Der Film“. In weniger als einer Woche hat die Kampagne mehr als 1 Million Euro generiert. Im Dezember 2011 startete der Aufruf zur Finanzierung und adressierte damit eine breite Öffentlichkeit. Drei Jahre später kam der Film in die Kinos und erreichte noch im selben Jahr über 1,3 Millionen Zuschauer. Die Gegenleistungen für die Crowdfunder sahen wie folgt aus:

  • Für die erste Million verkaufter Kinotickets ging 1 Euro pro Ticket in den Investorenpool. Jedes weitere Ticket spielte 50 Cent in den Pool ein
  • Überdies erhielt jeder Geldgeber eine Investorenurkunde und wurde namentlich im Abspann aufgeführt.
  • Den Kapitalgebern wurde Zugang zur „Investors-Lounge“ gewährt, die exklusive Informationen zum aktuellen Stand der Filmproduktion bereithielt.
  • Ab einer Förderung von 1000 Euro erhielten die Investoren zwei Premierentickets.

In den Jahren 2015 und 2016 zeigten sich Tendenzen, dass grundsätzlich mehr die Finanzierung von Immobilen durch Crowdfunding führend ist. Start-Ups erhielten weniger Kapital durch diese Finanzierungsart. Auch in der Zukunft rechnen Experten mit einem Zuwachs an der Schwarmfinanzierung in der Immobilienbranche. Eine aktuelle Studie zu diesem Thema finden Sie hier. Im Wesentlichen finden Crowdfinanzierungen über die Plattform Startnext statt. Sie vereint rund 90 Prozent des finanzierten Kapitals in 84 Prozent der erfolgreichen Kampagnen.