Wer sich um eine neue Stelle bewirbt, benötigt unbedingt die letzten Arbeitszeugnisse, auch wenn Meinungen über den Sinn von Zeugnissen auseinandergehen. Denn nach einem Urteil des Berliner Arbeitsgerichts (Az. 28 Ca 18230/11) muss der Arbeitgeber beim Verfassen eines Zeugnisses darauf achten, dass er seinem scheidenden Mitarbeiter nicht die Zukunft verbaut. Deshalb muss das Zeugnis dessen Leistungen mindestens als „gut“ beurteilen. Ein solches Arbeitszeugnis dient dann lediglich als Beleg zum Lebenslauf und besitzt nicht unbedingt viel Aussagekraft in Bezug auf die Leistungen des zu Beurteilenden. Arbeitgeber können sich aber auch nicht einfach mit einer Mustervorlage aus der Affäre ziehen. Denn ein Arbeitnehmer hat das Recht auf ein Zeugnis, das individuell seine Leistungen, Fähigkeiten und auch Verhalten wohlwollend darstellt. Doch auch wenn das erfüllt ist, gibt es noch mehr zu beachten.

Welche formalen Kriterien muss das Arbeitszeugnis erfüllen?

Das Arbeitszeugnis muss schriftlich ausgestellt und von einem Mitarbeiter der Firma unterschrieben sein, der für Personalfragen verantwortlich ist. Es reicht nicht, das Zeugnis per E-Mail oder als PDF-Dokument auszuhändigen. Nur ein ausgedrucktes Original gilt als rechtlich gültig. Der Arbeitnehmer muss allerdings selbst dafür sorgen, dass er das Zeugnis in die Hand bekommt, denn ihn trifft eine sogenannte Holschuld. Das heißt, der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, das Zeugnis zuzuschicken.

Wichtig ist zunächst, dass alle Angaben zur Person des Arbeitnehmers enthalten sind (Vor- und Zuname, Geburtsdatum, usw.). Auch die wichtigsten Daten zur Tätigkeit (Zeitraum, genaue Beschreibung der Stelle) müssen in verständlicher Weise formuliert enthalten sein.

Die Zeugnisinhalte

Da kritische Bemerkungen über den Arbeitnehmer im Zeugnis nicht enthalten sein dürfen, muss auf versteckte Codes zurückgegriffen werden, die jeder Arbeitgeber kennt. Auf diese ist zu achten, denn eine scheinbar nette Formulierung kann in Wirklichkeit eine vernichtende Kritik darstellen.

Beispiele

Note 1Was bedeuten die Benotung und die Formulierung im Arbeitszeugnis wirklich?

Wenn der Arbeitgeber Ihre Arbeit als „sehr gut“ beurteilt, finden sich Formulierungen wie: „Seine Aufgaben erfüllte er stets zur vollsten Zufriedenheit. Stets zeigte er einen sehr hohen Grad an Eigeninitiative. Er erzielte mit seinem besonderen Fachwissen überdurchschnittliche Erfolge. Sein freundliches Wesen und seine kollegiale Haltung machten ihn zu einem bei Mitarbeitern und Vorgesetzten geschätzten Kollegen. Er verstand es in vortrefflicher Weise, seine Mitarbeiter zu motivieren und zu überzeugen, sodass alle ihre Aufgaben mit sehr hohem Erfolg erreichen konnten.“

Note 2

Eine noch gute Leistung liest sich im Zeugnis in etwa so: „Seine Aufgaben erfüllte er zur vollsten Zufriedenheit. Er zeigte stets hohe Leistungsbereitschaft und großes Pflichtbewusstsein. Er wandte sein gutes Fachwissen stets mit großem Erfolg an. Kollegen und Vorgesetzte schätzten sein stets kooperatives, einwandfreies Verhalten. Er überzeugte Mitarbeiter und wirkte fördernd auf die Zusammenarbeit im Team ein. Er informierte Mitarbeiter, regte zur Weiterbildung an, delegierte zuverlässig. Dadurch erreichte er ein hohes Teamergebnis.“

Note 3

Eine als befriedigend beurteilte Leistung liest sich im Arbeitszeugnis bereits etwas wortkarger: „Seine Aufgaben erfüllte er zur vollen Zufriedenheit. Er zeigte Einsatzbereitschaft. Er besitzt solides Fachwissen in seinem Bereich. Seine Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetzten war vorbildlich. Er motivierte seine Mitarbeiter und führte sie zu guten Leistungen.“

Note 4

Eine als „ausreichend“ bewertete Leistung erkennen Sie an Wendungen wie: „Seine Aufgaben erfüllte er zur Zufriedenheit. Er zeigte Einsatzbereitschaft. Er besitzt das nötige Fachwissen. Sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Kollegen war gut. Er motivierte seine Mitarbeiter, sodass zufriedenstellende Leistungen erreicht wurden.“

Note 5

Wenn Ihr Arbeitgeber nicht zufrieden mit Ihnen war, lesen Sie in Ihrem Zeugnis Sätze wie diese: „Seine Aufgaben erfüllte er überwiegend zu unserer Zufriedenheit. Seine Einsatzbereitschaft entsprach den Anforderungen. Er zeigte das nötige Fachwissen. Er bemühte sich stets um ein gutes Verhältnis zu Mitarbeitern und Vorgesetzten. Gegenüber seinen Untergebenen war er stets verständnisvoll.“

(Der Einfachheit halber haben wir unsere Beispiele auf eine männliche Person beschränkt).

Was Sie tun können, wenn Sie mit Ihrem Zeugnis nicht zufrieden sindArbeitgeber greifen bei der Formulierung vom Arbeitszeugnis häufig auf versteckte Codes zurück, um Kritik auszuüben.

Wenn das Zeugnis überwiegend Formulierungen enthält, die nach diesem Code Ihre Leistungen nur als ausreichend oder gar mangelhaft beurteilen, müssen Sie das nicht hinnehmen. Suchen Sie zunächst das Gespräch mit Ihrem ehemaligen Arbeitgeber und schlagen Sie bestimmte Änderungen vor. Wenn Ihre Änderungswünsche abgelehnt werden, steht es Ihnen auch frei, gerichtliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das kann sich dann lohnen, wenn die Formulierungen sehr schwerwiegend sind, sodass Ihre berufliche Zukunft leidet. Wenn Sie sich nicht sicher sind, lassen Sie am besten einen Anwalt das Arbeitszeugnis prüfen.