Erst die Arbeit, dann das Vergnügen? Nicht immer muss dieser Leitsatz stimmen. Eine wohlplatzierte Pause (oder auch mehrere) an langen Arbeitstagen kann Wunder bewirken und insgesamt die Produktivität sogar beflügeln. Aber wann ist eine Pause noch eine Pause – und wann wird sie einfach zu einer ausgedehnten Phase des Nichtstuns? Lesen Sie hier, wie Sie Pausenzeiten am besten nutzen (oder als Chef an Mitarbeiter delegieren) und wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist.

Das sagen die Juristen

Schauen wir uns zuerst kurz an, was der Gesetzgeber zum Umgang mit Arbeitspausen sagt: Der § 4 im Arbeitszeitgesetz schreibt bei sechs bis neun Stunden eine Arbeitspause von mindestens 30 Minuten vor. Überschreitet die Arbeitszeit die genannten neun Stunden, steigt die Pausenlänge auf 45 Minuten.

Nicht vorgeschrieben ist, wie diese Zeit eingeteilt wird. Der Chef könnte eine Pause von 45 Minuten also beispielsweise auf drei Mal 15 Minuten aufteilen. Weniger als 15 Minuten sind hingegen nicht erlaubt, dieser Zeitraum würde dann wieder zur Arbeitszeit zählen. Freigestellt ist es Arbeitgebern aber, Pausen auch länger anzusetzen – also vielleicht eine Stunde anstelle der genannten 30 Minuten zu vergeben. Etwas schwammig sind die Angaben darüber, was in einer Pause erlaubt ist und was nicht und was genau der Arbeitgeber vorschreiben darf – wenn überhaupt.

Jetzt, wo die Paragraphen aus dem Weg geräumt sind, schauen wir uns an, wie sich Pausenzeit am besten nutzen lässt, um produktiv zu bleiben.

Pausen machen produktiv – und das ist bewiesen

2014 veröffentlichte Gerhard Blasche, Erholungsforscher an der der Medizinischen Universität Wien, eine Studie und damit seine Erkenntnisse über die Pausenkultur in Unternehmen. Die simple Erkenntnis ist: Mehr Pausen sorgen für weniger Müdigkeit und damit einen einhergehenden Anstieg der Produktivität. Einfache Tipps fallen wie folgt aus:

Kurze Entspannungspausen am Schreibtisch sind wichtig für die Produktivität• Spätestens alle zwei Stunden ist eine kurze Pause ratsam. Das muss nicht zwingend eine „echte Pause“ sein: Auch eine Tasse Kaffee mit Blick aus dem Fenster schafft die notwendige Erholung, um in den nächsten Stunden einsatzbereit zu bleiben.

• Die optimale Pausenzeit gilt inzwischen als weitgehend ermittelt: Fünf bis zehn Minuten nach zwei Stunden bieten sich als ideal an. Dieser Wert variiert aber stark von Person zu Person, sodass einige Arbeitnehmer häufiger und andere seltener Pausen benötigen.

• Um die Pause nicht im Arbeitsrausch zu vergessen, helfen eingearbeitete Rituale. Um 10:00 Uhr gibt es einen Kaffee, um 11:30 Uhr esse ich eine Banane oder einen Apfel. Unterbewusst setzt sich die Person damit auch ein schönes Ziel, das in greifbarer Nähe ist.

• Der richtige Moment ist wichtig: Eine Pause fällt nach einem Arbeitsmarathon nicht erst dann an, wenn man vor Erschöpfung im Bürostuhl versinkt. Stattdessen sollte sie sofort angesetzt werden, wenn die erste Welle Müdigkeit heranschwappt.
Soweit, so gut – aber was genau mache ich denn in meinen Pausen?

Pause ist nicht gleich Pause

Eine Pause erhält ihren Namen daher, dass auch das Gehirn abschalten darf. Es wäre also falsch, dem Kopf einfach nur eine andere Form von Arbeit vorzusetzen. Vielleicht möchten Sie in einer Pause gerne einen wissenschaftlichen Artikel lesen, den Sie interessant finden. Das wäre vermutlich falsch, da diese Art von Literatur erneut geistige Anstrengungen von Ihnen verlangt. Auch Medien, die schnell für eine Reizüberflutung sorgen können, sind nicht ratsam. YouTube-Videos bombardieren Sie mit Audio, Video und schnellen Schnitten – keine gute Form der Entspannung.Mit frischer Luft und Entspannung verbringt man seine Pausen effektiv

Pausen sind Ruhephasen. Unser Hirn nutzt sie (ähnlich wie den Schlaf), um die Sinneseindrücke der vergangenen Stunden zu verarbeiten und neue Reserven freizulegen. Beschäftigen Sie sich in dieser Zeit daher mit den simpelsten Dingen, um dem Gehirn Platz für seine Arbeit zu überlassen. Schauen Sie aus dem Fenster und Tauben dabei zu, wie sie sich um ein Stück Brot streiten. Setzen Sie sich auf eine Parkbank und lassen Sie einfach die Sonne auf sich einwirken – ohne Smartphone in der Hand. Vielleicht machen Sie auch einfach die Augen zu und lassen die Welt außerhalb an sich vorbeiziehen.

Achtung: zu lange Pausen

Abschließend möchten wir noch davor warnen, dass einige Arbeitnehmer bei zu langen Pausen einen umgekehrten Effekt erzielen. Das Gehirn ist dann nicht mehr „auf Arbeit gepolt“ und bei bestimmten, komplexen Sachverhalten muss man sich erst wieder in das Thema einarbeiten. Eine Pause von beispielsweise einer kompletten Stunde am Stück wäre in diesen Situationen somit nicht ratsam. Dies muss am Ende aber auch jeder Arbeitnehmer für sich herausfinden, um ein optimales Pausenergebnis zu erzielen.