Der Arbeitsplatz der Zukunft zwingt Führungskräfte zum Umdenken: Heutige Führungskräfte sehen sich durch den digitalen Wandel mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. Zwar steht die digitale Revolution noch ganz am Anfang, doch zeigt sie bereits Wirkung und schickt sich an, die Arbeitswelt komplett auf den Kopf zu stellen. Die bevorstehenden Änderungen in der Arbeitswelt werden nicht nur gravierende Auswirkungen auf die Arbeitsplätze in der Produktion selbst haben (Industrie 4.0), sondern alle Bereiche der modernen Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft betreffen. Selbstverständlich werden sich diese Umwälzungen auch auf die Arbeit von Führungskräften auswirken. Je eher sich diese auf die Veränderungen einstellen, umso besser werden sie für die künftigen Herausforderungen gerüstet sein.

 

Der Begriff „Arbeitsplatz“ erhält eine völlig neue Bedeutung

Wenn allgemein von Flexibilisierung der Arbeitswelt gesprochen wird, betrifft das vor allem Arbeitszeiten und vertragliche Regelungen zwischen Unternehmen und Angestellten. Der Begriff Arbeitsplatz als solcher ist auf der einen Seite eine Chiffre für Versorgungssicherheit und auf der anderen Seite die geografische Verortung der Stätte, an der eine Leistung erbracht wird. Ebenso wie die Arbeitszeiten ist auch diese andere Seite vertraglich geregelt. Der Industriearbeiter hat seinen festen Einsatzort in der Produktion, die an einem bestimmten Ort stattfindet, und der Angestellte seinen fest verorteten Schreibtisch, von dem aus alle Arbeitsaktivitäten erfolgen. Übrigens gilt das auch für Mitarbeiter im Vertriebsaußendienst, die viel unterwegs sind. Diese Verortung des Arbeitsplatzes hat Tradition und widerspiegelt sich in der Präsenzkultur, die insbesondere in Deutschland das Verständnis von Arbeit prägt. Auch die Führung von Mitarbeitern und Teams orientiert sich daran, weil Präsenz des Mitarbeiters vermeintlich die beste Form der Ergebniskontrolle ermöglicht.

 

Durch die Sozialen Netzwerke und die Cloud werden Mitarbeiter omnipräsent

Von dem Gedanken, dass sich Mitarbeiter primär an einem geografisch definierbaren Ort befinden müssen, um sie zielorientiert zu führen, muss sich das Management langsam aber sicher verabschieden. Die globale Wirtschaft ändert sich rasant und Manager müssen lernen, umzudenken. So, wie Unternehmen heute durch das Internet Zugang zu weltweiten Märkten haben, haben Kunden Zugriff auf ein globales Angebot. Über die sozialen Netzwerke kann quasi jeder mit jedem auf Augenhöhe kommunizieren, Inhalte anderer kommentieren und eigene Inhalte mit anderen Nutzern teilen, ob diese nun im Büro nebenan sitzen oder einige Tausend Kilometer entfernt arbeiten. Mehr digitale Öffentlichkeit war nie. Durch die digitalen Medien wird der Mitarbeiter der Zukunft omnipräsent sein. So wie die Digitalisierung des Handels neue Marketingstrategien erfordert, ist in der Arbeitswelt ein neuer Führungsstil gefragt. Traditionelle Führungsmuster taugen nicht mehr in einer Arbeitswelt mit Teams, die von überall aus arbeiten können. Hierbei ist nicht nur die klassische Telearbeit gemeint, die in Deutschland im Gegensatz zu anderen EU-Ländern sogar rückläufig ist, wie bereits eine DIW-Studie über Heimarbeit herausfand, sondern die neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit in der Cloud. Hier wachsen berufliche und private Lebenswelten zusammen – eine Lebenswirklichkeit, die beispielsweise für Freiberufler längst zum Alltag gehört.

 

Arbeitsplatz der Zukunft Arbeiten in der Cloud

 

Kollaborative Arbeitsformen helfen Projektkosten zu senken

Projekte mit verstreut arbeitenden Teammitgliedern zu koordinieren und zu kontrollieren, bedeutet für das Management eine große Herausforderung. Was allerdings noch viel zu wenig beachtet wird, sind die Chancen die sich durch die Digitalisierung ergeben. Früher war die Sache klar. Teams arbeiteten zumeist an einem Standort und alle zum Projekt gehörenden Sourcen und Dokumente befanden sich auf den Servern vor Ort. IT-Administratoren sorgten dafür, dass nur berechtigte Teammitglieder Zugriff erhielten. Über die Zusammensetzung von Teams entschieden nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern vor allem die lokale Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Durch kollaborative Arbeitsformen hingegen kann sich ein Mitarbeiter eines Teams von überall produktiv einbringen, weil sich Projekte einschließlich aller Sourcen in der Cloud befinden. Für den Zugang reicht ein Internetanschluss. Das reduziert den organisatorischen Aufwand für das Projektmanagement und senkt schließlich die Projektkosten.

 

Fazit

Der digitale Wandel bietet Unternehmen eine Vielzahl von Chancen, erfordert aber auch eine veränderte Führungskultur. Kollaborative Arbeitsformen sind auf dem Vormarsch und werden präsenzorientierte Formen der Zusammenarbeit immer mehr verdrängen. Um Mitarbeiter künftig zu motivieren, ist ein kooperativer Führungsstil gefragt. Da die wegfallenden Präsenzpflichten Mitarbeitern de facto mehr Spielräume verschaffen, bedarf es zur Motivation auch neuer Anreize. Es geht darum, Mitarbeiter dahin zu bringen, diese neuen Freiheiten so produktiv wie möglich zu nutzen. Anreize zur produktiven Selbstentfaltung plus Delegation von mehr Verantwortung an die Basis sind der beste Weg, um das Potenzial von Mitarbeitern in der digitalen Arbeitswelt zu fördern.