Für die meisten Menschen ist die jährliche Steuererklärung ein leidiges Übel – wer zahlt schon gerne Steuern? Doch nicht immer wird man am Ende des Jahres vom Finanzamt zur Kasse gebeten. Wer steuerliche Spielräume geschickt nutzt und um die Möglichkeiten des Steuersparens weiß, spart bares Geld und wird womöglich sogar mit einer Rückerstattung vom Fiskus belohnt. Selbst ohne die Inanspruchnahme eines Steuerberaters sind die Sparmöglichkeiten groß. Wir stellen zehn Tricks zum Steuersparen vor. Alle vorgestellten Tipps und Tricks liegen selbstverständlich innerhalb der Grenzen der Legalität.

1. Handwerker-Rechnung immer aufbewahren!

Sie haben für Ihr Haus oder Ihre Wohnung die Hilfe von Handwerkern in Anspruch genommen? Dann bewahren Sie die Rechnung gut auf, es lohnt sich! Stolze 1200 Euro an Kosten für Handwerker können jährlich steuerlich abgesetzt werden – das gilt für Mieter und Eigentümer gleichermaßen. Gut zu wissen: Diese Regelung ist EU-weit gültig – und folglich beispielsweise auch für das Sommerhäuschen an der italienischen Küste. Übrigens sind nicht nur handwerkliche Arbeiten, sondern auch haushaltsnahe Dienstleistungen zum Teil steuerlich absetzbar. Wer Hilfe im Garten, beim Kochen oder Putzen in Anspruch nimmt, kann dies steuerlich geltend machen – vorausgesetzt es liegt eine ordentliche Rechnung vor.

2. Außergewöhnliche Belastungen lassen sich absetzen

Bis zu einem gewissen Grad lassen sich auch sogenannte „außergewöhnliche Belastungen“, sprich für die individuellen Vermögensverhältnisse außergewöhnlich hohe Kostenpunkte, absetzen. Klassischerweise zählen hierzu Ausgaben für Medikamente bzw. Kosten, die durch Krankheiten verursacht worden sind. Hierzu gehören auch Kosten für Pflege, Brillen oder Augen-Laser-Operationen.

3. Umzugskosten steuerlich geltend machen

Sogar die Kosten eines Umzugs können Sie steuerlich absetzen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass der Umzug aus beruflichen Gründen erfolgt ist. Diese berufliche Veranlassung muss auch nachgewiesen werden. Werden bedingt durch den Umzug maßgeblich Fahrstunden zum Arbeitgeber eingespart, weist dies bereits auf einen beruflich bedingten Umzug hin.

Mann steht auf Geldberg4. Versicherungen lohnen sich auch steuertechnisch

Private Versicherungen sind sowohl für Angestellte als auch für Selbstständige essenziell. Prinzipiell gilt: Viele Versicherungen, die ein berufliches oder privates Risiko absichern, lassen sich steuerlich absetzen – entweder als Werbungskosten (berufliches Risiko) oder als Sonderausgaben (privates Risiko). Die Regelung beinhaltet beispielsweise Unfall-, Haftpflicht-, Rechtsschutz- und Berufsunfähigkeitsversicherungen. Auch Lebensversicherungen können unter bestimmten Voraussetzungen abgesetzt werden.

5. Unterhaltszahlungen sind absetzbar

Unterhaltszahlungen sind steuerlich absetzbar. Die Höhe der abzugsfähigen Zahlungen hängt allerdings auch von der Zustimmung des ehemaligen Partners ab, an den der Unterhalt geleistet wird. Im Rahmen eines sogenannten „Realsplittings“ kann der Unterhaltsleistende bis zu 13.805 Euro jährlich als Sonderausgaben absetzen. Der Empfänger des Unterhalts muss das Geld dann allerdings versteuern.

6. Werbungskosten: Ein ergiebiges Feld

Eine wahre Fundgrube für steuerlich absetzbare Ausgaben ist das weite Feld der sogenannten „Werbungskosten“. Vereinfacht ausgedrückt fallen unter Werbungskosten sämtliche Kosten, die in irgendeiner Weise im Zusammenhang mit dem Beruf anfallen. Von Weiterbildungs- und Ausbildungskosten über Reisekosten und Bahncard bis hin zu Arbeitsmittel und Berufsbekleidung lässt sich alles steuerlich absetzen. Unser Tipp: Seien Sie kreativ und listen Sie bei der nächsten Steuererklärung sämtliche Kosten auf, die Ihnen in irgendeiner Form durch Ihren Beruf entstehen. Im Zweifelsfall hilft der Steuerberater beim Finden der versteckten Werbungskosten.

Besitzer von Immobilien können Renovierungs- und Sanierungskosten, die in diesem Jahr angefallen sind, noch als Werbungskosten geltend machen. Eine Ausnahme gibt es jedoch. Wurde das Objekt erst kürzlich erworben und wurden Renovierung und Sanierung vorgenommen, um die Immobilie in einen betriebsbereiten Zustand zu versetzen, so werden diese Kosten als nachträgliche Anschaffungskosten gewertet und müssen abgeschrieben werden.

7. Staatliche Zulagen sichern

Staatliche Zulagen müssen meist gesondert beantragt werden. Riester-Sparer beispielsweise sollten prüfen, ob sie bereits einen Antrag auf Förderung gestellt haben. Zudem können Änderungen der persönlichen Verhältnisse oder des Gehalts Auswirkungen haben und sollten daher angegeben werden. Sollten Sie Kinder haben, steht Ihnen neben der Grundzulage für jedes Kind, für das Sie Kindergeld beziehen, zusätzliche eine Kinderzulage zu.

8. Betriebskosten: Absetzungsmöglichkeiten für Selbstständige

Die Betriebskosten sind das Pendant zu den Werbungskosten für Selbstständige. Hier können sämtliche Ausgaben angerechnet werden, die den Gewinn des Unternehmens drücken. Hierzu zählen längst nicht nur Reise- und Fortbildungskosten sowie die Löhne für Mitarbeiter. Um nur einige ergiebige Punkte zu nennen:

  • Homeoffice: Wer vornehmlich von zu Hause aus arbeitet, kann ein entsprechendes Arbeitszimmer als Homeoffice von der Steuer absetzen.
  • Dienstwagen: Auch Dienstwagen lassen sich steuerlich geltend machen – inkl. Benzinkosten, Versicherungen und Reparaturen. Es lohnt allerdings eine Konsultation eines Steuerberaters, denn das Thema ist kompliziert. So ist unter Umständen das Führen eines detaillierten Fahrtenbuchs erforderlich.
  • Zweitwohnung: Sollte sie aus betrieblichen Gründen erforderlich sein, lässt sich auch die Zweitwohnung komplett von der Steuer absetzen.
  • Kunden: Im Rahmen von Verhandlungsgesprächen und Geschäftsterminen wollen Kunden angemessen bewirtet werden. Die hierzu notwendigen Ausgaben lassen sich immerhin zu 70 Prozent absetzen. Die Vorsteuer kann sogar in voller Höhe abgesetzt werden. Wichtig: Anlass, Ort und anwesende Personen müssen auf dem Beleg erkennbar sein.

9. Der Steuerberater: Lohnt in mehrfacher Hinsicht

Theoretisch lässt sich die jährliche Steuererklärung zwar auch alleine machen, die Hilfe eines Steuerberaters
(z. B. über www.steuerberaterscout.de) lohnt sich allerdings nahezu immer. So gilt das deutsche Steuersystem zu Recht als wahrer Dschungel. Um sich hier wirklich gut zurechtzufinden, ist steuerliches Insiderwissen nahezu unabdingbar. Ein Steuerberater, der die wichtigsten Tipps, Tricks und Kniffe zum Steuersparen kennt, ist sein Geld auch wert. Die Rechnung des Steuerberaters lässt sich übrigens bei der nächsten Steuererklärung wieder absetzen.

10. Für Kurzentschlossene

Etwas Romantik in die Finanzen bringt eine Last-Minute-Hochzeit. Wenn Sie planen demnächst zu heiraten, denken Sie doch mal darüber nach, die Hochzeit (zumindest die standesamtliche) noch in das laufende Jahr zu legen. Wer jetzt noch heiratet, profitiert vom Ehegattensplitting. In der Einkommenssteuererklärung kann das Ehegattensplitting rückwirkend für das komplette Jahr 2015 in Anspruch genommen werden.