Sie gelten als agil, kreativ, frisch und vor allem jung – Start-ups versprechen eine schnelle Karriere und viel Spaß. Diesen Ruf haben sie vor allem aufgrund der flachen Hierarchien und der steilen Lernkurve. Denn Berufseinsteiger müssen bereits bei den ersten Projekten hohes Engagement sowie viel Eigenverantwortung zeigen. Zudem ist das Bild vom hippen Start-up-Loft mit Dachterrasse, Kicker, kostenlosem Feierabendbier und Pizza-Flatrate noch immer weit verbreitet. Kritiker bemängeln bei den jungen Firmen aber vor allem lange Arbeitstage, wenig Geld und befristete Arbeitsverhältnisse. Die Wirklichkeit liegt indes irgendwo dazwischen.

Mehr Freiheit im Start-up

Sechs Dinge, so wird oft gespaßt, brauche man für eine erfolgreiche Gründung. Zum Starterkit für Start-ups zählen dem Klischee nach jedoch nicht Geschäftsideen, Finanzierungszusagen oder Businesspläne. Vielmehr seien ein altes Ledersofa und ein Kickertisch, eine Kiste Club Mate sowie Umhängetasche, Kapuzenpulli und Wollmütze für künftige Gründer unentbehrlich.

Dass die meisten Gründer sehr wohl handfeste Businesspläne erstellt haben, um ihre Geschäftsidee zu finanzieren und ihre Arbeitszeit eher am Schreibtisch denn auf der Ledercouch verbringen, steht indes auf einem anderen Blatt. Auch ist der erfolgreiche Gründer in der Regel kein 20-jähriger Studienabbrecher. Durchschnittlich ist er bei der Gründung durchschnittlich 40 Jahre alt, verheiratet mit Kind und vor allem mit Universitätsabschluss und Berufserfahrung, zeigte schon vor einigen Jahren der Report „The Anatomy of an Entrepreneur“, für den 549 erfolgreiche Gründer befragt wurden.

Viele Gründer tragen jedoch tatsächlich lieber Kapuzenpulli als Anzug – oder stören sich zumindest nicht an dem unkonventionellen Kleidungsstück. Der Hoodie ist aus der realen Start-up-Szene nicht wegzudenken. In fast allen jungen Firmen ist er im Büro erlaubt, hat der Bundesverband Deutsche Start-ups im aktuellen Start-up-Monitor herausgefunden. Der Verband untersuchte, inwieweit Klischee und Wirklichkeit in der Start-up-Szene übereinstimmen. Ergebnis: Drei Viertel aller Start-ups haben höchstens zwei Hierarchieebenen – nämlich Chefs und Nicht-Chefs. Ein Viertel der befragten Firmen besitzt einen Kickertisch. Jeder sechste Gründer nennt Club Mate sein Lieblingsgetränk. Und jeder Zehnte hat eine Feel-good-Oma engagiert, die den oft sehr jungen Mitarbeiter mit Rat und Tat zur Seite steht und für das Team kocht und backt.

Viel ackern für wenig Geld

Startups haben oftmals wenig GeldDieses Wohlfühlambiente ist für die meisten Start-ups auch essenziell. Denn klar ist: Die jungen Firmen haben wenig Geld. So ist die Gehaltsstruktur der Start-ups im Vergleich zu großen etablierten Unternehmen gering. Das gilt als Nachteil, den viele der neugegründeten Firmen mit anderen Benefits auszugleichen versuchen. Gerade bei der Suche nach den hochbegehrten Absolventen der MINT-Fächer müssen sie mit den großen Playern konkurrieren. So freuen sich vor allem Informatiker und Programmierer aufgrund der hohen Nachfrage nach diesen Berufszweigen auch in vielen Start-ups über gute Gehälter oder andere monetäre Benefits wie Unternehmensbeteiligungen – oft jedoch zulasten der übrigen Mitarbeiter, die entsprechend schlechter bezahlt werden: Absolventen der Geistes- oder Sozialwissenschaften verdienen selten mehr als 1600 Euro brutto im Monat; Dauer-Praktikanten, die trotz Hochschulabschluss für 400 Euro arbeiten, oder Trainees, die mit 1000 Euro nach Hause gehen, sind keine Seltenheit.

Und das bei Arbeitszeiten, die es sonst nur im Agenturgeschäft gibt. 60 Wochenstunden, dazu Wochenendarbeit und Nachtschichten sind in vielen der jungen Firmen eher die Regel als eine Ausnahme – und zwar nicht nur für die hoch motivierten Gründer, sondern auch für die normalen Angestellten.

Start-ups bieten kreative Entfaltungsmöglichkeiten

Zusammenarbeit ist in Startups unabdingbarWer damit – zumindest für eine gewisse Zeit – umgehen kann, den belohnen die Start-ups aber mit mehr als nur der ersten Berufserfahrung und einem Arbeitszeugnis. So schwärmen viele Mitarbeiter von den Selbstverwirklichungsmöglichkeiten, können sich ausprobieren und schnell Erfahrungen sammeln, die sie in etablierten Unternehmen erst nach vielen Jahren gemacht hätten. Auch schätzen die Mitarbeiter die dank der intensiven Zusammenarbeit oft positive Unternehmenskultur sowie das internationale Flair – etwa 30 Prozent der Beschäftigten in deutschen Start-ups stammen nach Angaben des Bundesverbands aus dem Ausland. Im Schnitt schafft man übrigens pro Start-up 14,4 Arbeitsplätze.