Respekt wünschen wir uns alle privat und im Job, im Berufsleben erscheint er besonders wichtig. Die Respect Research Group hat hierzu geforscht und herausgefunden, dass Respekt im Job der zweitwichtigste Aspekt für Leistung und berufliche Zufriedenheit ist. An erster Stelle stehen übrigens interessante Aufgaben, erst auf Platz 3 folgt das Einkommen. Die Forschungen belegten noch mehr: Beim Respekt im Job gibt es über alle Branchen und Unternehmen hinweg Nachholbedarf und Verbesserungspotenzial.

Was ist Respekt?

Respekt ist im Job unabdingbarDas deutsche Wort Respekt stammt vom lateinischen respectus ab, das Rücksicht und Zurückschauen gleichermaßen bedeutet. Wir leiten daraus ab, dass Respekt auch viel mit Selbstreflexion zu tun hat (Zurückschauen). Wertschätzung und Anerkennung geben und erhalten können erst Personen, die sich ihrer eigenen Stärken und Schwächen sowie der ihres Umfeldes bewusst sind und gerade deswegen anderen Menschen höflich sowie mit Hochachtung bis Ehrfurcht gegenübertreten.
Das ist allerdings die deutsche Bedeutung, im Englischen ist das Wort “respect” etwas neutraler besetzt. Es verweist auf die Notwendigkeit der Achtung anderer Personen, nicht hingegen auf Unterwürfigkeit, die im Deutschen wenigstens teilweise assoziiert wird. Es findet zwar ein Wandel statt, aber die Semantik hat ihre denotivativen Tücken: Manche (deutschsprachigen) Menschen respektieren automatisch jeden Amts- und Würdenträger, auch wenn dieser sich das Ansehen nicht immer verdient. Briten und Amerikaner sind da etwas kritischer. Abseits von solchen Feinheiten ist nichts schlimmer, als wenn es innerhalb einer sozialen Gruppe – also auch in einem beruflichen Team – keinen Respekt voreinander gibt. Wertgeschätzt zu werden gehört zu den tiefsten menschlichen Bedürfnissen, Wohlstand ist beileibe nicht so wichtig. Wenn er angestrebt wird, möchten ihn die betreffenden Personen oft herzeigen, um sich gerade damit Respekt zu verschaffen.

Warum ist Ansehen im Berufsleben so wichtig?

Ein Team funktioniert deutlich reibungsloser, wenn sich seine Mitglieder gegenseitig respektieren. Damit handelt es sich in wirtschaftlicher Hinsicht um eine Frage der Effizienz. Der Schaden in der EU durch mangelnden Respekt, der mangelnde Motivation auslöst, ist enorm: Eine 2016 publizierte Gallup-Studie beziffert ihn auf 100 Millionen Euro pro Jahr. Manager sollten diesen Aspekt beachten. Selbst wenn sie in das Alltagsgeschäft ihrer Teams nicht involviert sind, müssen sie beobachten, ob die Kollegen miteinander respektvoll, wertschätzend und höflich umgehen.
Wer sich nicht respektiert fühlt, leistet im harmlosen Fall etwas weniger, im schlimmsten Fall neigt er zum Bummeln oder gar zu Sabotageakten. Gute Teamleiter würdigen daher auch stillschweigend vollbrachte Leistungen ihrer Mitarbeiter. Wenn sie diese übersehen, löst das großen Frust aus. Dieser Effekt ist seit grauer Vorzeit bekannt, unter anderem lässt William Shakespeare ihn durch Prinz Hamlet in dessen großem Monolog “Sein oder Nichtsein” ansprechen. Nachdem der Prinz über die Möglichkeit des Selbstmords nachgedacht hat, zählt er all die Übel der hiesigen Welt auf, darunter verschmähte Liebe, den Übermut von Ämtern und auch die “Schmach, die Undank-schweigendem Verdienst erweist”. Kein Zweifel: Das Gefühl, respektiert zu werden, ist extrem wichtig und motiviert oft deutlich mehr als ein finanzieller Bonus.

Definitionen von Respekt

Respekt vor allem in Teamarbeiten notwendigEine interessante Studie legt unter anderem Prof. Dr. Niels van Quaquebeke (Kühne Logistics University) vor. Seine „Respektvolle Untersuchung“ weist auf die motivationale Macht von “offenen Fragen und Zuhören” hin. Professor Quaquebeke unterscheidet vertikalen und horizontalen Respekt. Vertikaler Respekt entsteht durch ein Kompetenz- und/oder Machtgefälle (der Untergebene respektiert den Chef), wobei die objektiv vorhandene Differenz positiv wahrgenommen wird.
Das hat auch etwas damit zu tun, dass Untergebene von der Führung und dem Fachwissen ihrer Vorgesetzten profitieren. Das führt zum freiwilligen Befolgen auch leise ausgesprochener Anweisungen. Beim horizontalen Respekt nehmen sich Personen gegenseitig als gleichwertig wahr. Sie gehen auf ihre gegenseitigen Wünsche ein, was unter anderem unter gleichgestellten Kollegen eines Teams und darüber hinaus in Lebenspartnerschaften und Freundschaften ungemein wertvoll ist. Chefs können ihren Untergebenen horizontalen Respekt erweisen, indem sie sich klar machen, dass ein älterer Kollege oder eine allein erziehende Mutter nicht über die Motivation, das passende Lebensalter oder die Ressourcen verfügen, um Karriere zu machen, aber ihrerseits viel leisten oder schon geleistet haben. Wenn sie an ihrem Arbeitsplatz einen guten Job machen, verdient das durchaus Respekt.

Wie verdienen Sie sich Respekt?

Zwei Dinge sind hierfür ausschlaggebend:
  • Ihre Leistung
  • Ihre Wertschätzung anderer Personen
Dieses Komplementärpaar gehört untrennbar zusammen, wenn Sie selbst das Ansehen ihrer Umgebung erlangen wollen. Das Eine ohne das Andere funktioniert nicht. Sie können noch so viel leisten und werden doch nicht respektiert, wenn Sie offen oder heimlich Ihre Kollegen verachten. Umgekehrt genügt es keinesfalls, nur allen Menschen mit größter Hochachtung zu begegnen, um selbst respektiert zu werden. Sie müssen schon selbst etwas in die Waagschale legen können.