Führungskräfte von KMU setzen immer stärker auf flexible Arbeitszeitmodelle, um die Produktivität ihres Unternehmens zu verbessern und um Kunden und Mitarbeiter stärker zu binden. Die Mehrzahl der kleinen und mittleren Unternehmen nutzt die Möglichkeiten einer individuelleren Arbeitszeit-Gestaltung bisher allerdings nur begrenzt. Wir informieren Sie über die wichtigsten innovativen Arbeitszeit-Lösungen.

Arbeitszeitmodelle in KMU: Spannungsverhältnis zwischen aktuellen Gestaltungsformen und Zukunftstrends

In kleinen und mittleren Unternehmen gelten oft noch traditionelle Arbeitszeitregelungen wie die starre „9-bis-5-Arbeitszeit“ oder herkömmliche Schichtzeit-Modelle. Viele KMU gehen noch von der Vorstellung eines in Vollzeit arbeitenden Beschäftigten aus, der uneingeschränkt gesund ist und dessen familiäre Verpflichtungen für die berufliche Tätigkeit wenig relevant sind.

Die aus demographischen Gründen sinkende Anzahl jüngerer Menschen, die neu in das Berufsleben eintreten, wird den bereits heute deutlichen spürbaren Fachkräftemangel verschärfen. Eine alternde Gesellschaft führt jedoch unweigerlich zu einem späteren Renteneintrittsalter und damit zu einer längeren Lebensarbeitszeit. Um die Arbeitsfähigkeit der Beschäftigten länger zu erhalten, bedarf es jedoch einer durchdachten Gesundheitsvorsorge einschließlich von Arbeitszeitmodellen, die die Gesundheit der Beschäftigten berücksichtigen. Die Notwendigkeit einer innovativen Arbeitszeit-Flexibilisierung ergibt sich bei alternder Gesellschaft auch im Hinblick auf den wachsenden Bedarf an häuslicher Pflege, der oft von Familienangehörigen der zu pflegenden Personen abgedeckt wird.

Für KMU ist es daher von größter Bedeutung, sich am enger werdenden Arbeitsmarkt als attraktiver Arbeitgeber präsentieren, der die privaten Bedürfnisse und Lebensumstände seiner Mitarbeiter berücksichtigt. Geeignete Arbeitszeitmodelle verhindern, dass sich Beschäftigte zwischen ihre beruflichen und familiären Rollen aufreiben und ihre Leistungsfähigkeit vorzeitig verlieren.

Eine auf das jeweilige Unternehmen zugeschnittene Arbeitszeit-Flexibilisierung erhöht nicht nur die Kosteneffizienz und die Produktivität eines Unternehmens. Auf einem immer enger werdenden Arbeitsmarkt erhöhen Arbeitszeitmodelle, die den Bedürfnissen von Arbeitnehmern entgegenkommen und eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben ermöglichen, die Attraktivität eines Unternehmens als Arbeitgeber.

Im Trend: individuell gestaltete Arbeitszeitmodelle in KMU

KMU nutzen verschiedenste Arbeitszeit-Modelle, die die Interessen von Unternehmen, Kunden und Mitarbeiter berücksichtigen.

  • Flexible Arbeitszeitmodelle liegen bei KMU im TrendGleitzeit
  • Arbeitszeitkorridore
  • Kurzzeit-, Langzeit- und Lebensarbeitszeitkonten
  • Arbeitszeitkorridore
  • flexible Schichtarbeit
  • Wochenend-/Sonntagsarbeit
  • Teilzeit
  • Jobsharing
  • Arbeitszeit-Kombinationen mit Home Office und Telearbeit
  • Altersteilzeit
  • stufenweise Übergänge in den Vorruhestand
  • Vertrauensarbeitszeit

Angesichts eines begrenzten Fachkräfte-Potenzials gehen KMU dazu über, von Frühverrentungen Abstand zu nehmen und erfahrene Mitarbeiter durch andere Arbeitszeit-Lösungen länger an das Unternehmen zu binden.

Entwicklung neuer Arbeitszeitmodelle: enges Zusammenwirken zwischen Unternehmen und Beschäftigten

Jedes Arbeitszeitmodell ist für Unternehmen und Beschäftigte mit Vor- und Nachteilen verbunden, die sorgfältig gegeneinander abzuwägen sind. Bei der erfolgreichen Einführung eines Arbeitszeitmodells kommt es besonders auf ein enges Zusammenwirken beider Seiten und auf einen guten Interessen-Ausgleich an, der in vielen Fällen in einer Betriebsvereinbarung festgeschrieben wird.

Stets sind die einschlägigen rechtlichen Bestimmungen zu beachten. Dazu zählen beispielsweise die gesetzlichen und kollektivvertraglichen Regelungen zu den Ruhezeiten, zur Nacht- und Schichtarbeit oder zur Rufbereitschaft. Besondere Bestimmungen gelten für Schwangere und Jugendliche.

Beispiele für Unternehmen, die erfolgreich ein neues Arbeitszeitmodell eingeführt haben

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte RKW Kompetenzzentrum stellt in einer Studie drei Unternehmen aus verschiedenen Branchen vor, die individuell gestaltete Arbeitszeitmodelle erfolgreich implementiert haben.

Die Trefz GmbH Cleebronn aus dem Kreis Heilbronn stellt mit 23 Mitarbeitern Präzisionsteile her. Im früheren 2-Schichtbetrieb entstanden regelmäßig viele Überstunden. Im Hinblick auf schwankende Auftragslagen erwies sich die tradierte Arbeitszeitgestaltung als zu unflexibel. Auch vor dem Hintergrund eines starken regionalen Wettbewerbs um Fachkräfte stellte Trefz auf ein Funktionszeiten-System um, in dem die einzelnen Arbeitsteams ihre Arbeitszeiten autonom festlegen. Bei der sogenannten „Funktionszeit“ entfällt die bei Gleitzeit üblicherweise vorgesehenen Festlegung einer Kernarbeitszeit, in der ein „Gleiten“ ausgeschlossen ist. Entscheidendes Kriterium für die Zulässigkeit des Gleitens ist bei der Funktionszeit, dass die Funktionsfähigkeit eines Unternehmens bzw. eines Arbeitsbereichs im Unternehmen sichergestellt sein muss. Die Anwesenheit der Beschäftigten hängt bei Trefz nunmehr nicht von einem starren Schichtplan, sondern von der tatsächlich benötigten Arbeitszeit ab. Das Unternehmen profitiert vom Wegfall von Überstunden-Zuschlägen und einer aufgrund flexiblerer Arbeitszeiten deutlich verbesserten Mitarbeiter-Zufriedenheit.

Die Volksbank Dreieich (Landkreis Offenbach) beschäftigt als Filiialbetrieb 300 Mitarbeiter. Starre Arbeits- und Öffnungszeiten entsprachen nicht mehr den Kunden- und Mitarbeiter-Interessen. Unter Berücksichtigung der Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung wurden die Filialöffnungszeiten angepasst, die Arbeitszeit von einer täglichen auf eine Wochenarbeitszeit umgestellt und ein Arbeitszeitkonto für jeden Beschäftigten eingerichtet, das Abweichungen von der Sollarbeitszeit von zehn Stunden ermöglicht. Mitarbeiter nutzen Zeiten mit geringerer Kundenfrequenz nunmehr zum Gleiten. Die Volksbank hat eine Erhöhung der internen und externen Service-Qualität festgestellt.

Die Edeka Habig GmbH, Bad Soden beschäftigt 100 Mitarbeiter in drei Filialen. Das früher praktizierte starre Arbeitszeitmodell sah täglich wechselnde Arbeitszeiten vor, führte zu langen Tages-Einzelarbeitszeiten, war nicht auf die tatsächliche Kundenfrequenz angepasst und verursachte zudem einen hohen Planungsaufwand. Nunmehr wird ein Arbeitszeitmodell mit versetzten Arbeitszeiten praktiziert. Ein „Ampelkonto“ ermöglicht eine Arbeitszeit-Schwankungsbreite von bis zum Zweifachen der einzelvertraglich vereinbarten Wochenarbeitszeit. Der Einsatz von Personal kann nunmehr leichter an täglich oder saisonal schwankende Kundenfrequenzen abgestimmt werden.

Fazit: Wie KMU von flexiblen Arbeitszeitmodellen profitieren

Kosteneffizienz durch flexible Arbeitszeitmodelle

Kleine und mittlere Unternehmen haben die Vorteile einer Arbeitszeit-Flexibilisierung erkannt, können jedoch in ihrer großen Mehrheit innovative Arbeitszeitmodelle noch intensiver zum Vorteil von Unternehmen, Kunden und Mitarbeitern nutzen.

Innovative Arbeitszeitmodelle stärkt die Position kleiner und mittlerer Unternehmen im Wettbewerb, da

  • das Personal vorrangig zu denjenigen Zeiten im Betrieb ist, in denen das Arbeitsaufkommen besonders hoch ist,
  • die Kosteneffizienz eines Unternehmens verbessert wird,
  • sich die Mitarbeiter-Zufriedenheit bei stärkerer Berücksichtigung persönlicher Interessen verbessert und
  • sich das KMU als arbeitnehmerfreundliches Unternehmen am Arbeitsmarkt präsentieren kann.