Ein kleiner Handwerksbetrieb mit mehreren Fachkräften bietet fähigen jungen Leuten aus Eritrea eine Lehrstelle an. Eine international agierende Fluggesellschaft stellt technisch interessierte Mädchen als Auszubildende für den Beruf der Flugzeugmechanikerin ein. Ein mittelständisches IT-Unternehmen entscheidet sich für einen älteren Geschäftsführer, der nur noch wenige Jahre im Berufsleben steht. So unterschiedlich diese drei Beispiele aus dem Berufsalltag sein mögen, so sehr zeigen sie: Diversity hat in Firmen aller Größenordnungen und über alle Branchen hinweg schon lange Einzug gehalten.

Die Kunst, Unterschiedliches zu vereinen

DeDiversity Mangement wörtlich übersetzt: „Management der Vielfalt“r Begriff „Diversity Management“ ist in aller Munde, unzählige wissenschaftliche Studien beschäftigen sich mit den Ursachen, den Auswirkungen und dem idealen Prozess. Was also ist Diversity Management? Warum ist es in Zukunft noch stärker erforderlich? Und was können kleine und mittelständische Betriebe tun, um sich hier noch besser zu positionieren?
Das Schlagwort „Diversity Management“ ist aus der modernen Unternehmensführung nicht mehr wegzudenken. Wörtlich übersetzt steht der Begriff für das „Management der Vielfalt“. In früheren Generationen setzte sich die Belegschaft eines Betriebs in der Regel aus jungen und älteren Mitarbeitern zusammen. Berufseinsteiger wie Schulabgänger, Auszubildende und Studienabsolventen trafen auf erfahrene Fachkräfte. War die Mitarbeiterschaft in den 1960er und 1970er Jahren noch überwiegend männlichen Geschlechts, weil viele Frauen ausschließlich für den Haushalt sorgten, änderte sich dieses Bild in den 1980er Jahren und in späteren Jahrzehnten immer mehr. Heute sind weibliche Arbeitnehmer in allen Positionen und Hierarchieebenen ähnlich erfolgreich und engagiert wie ihre männlichen Kollegen.
Schon vor etwa 20 Jahren zeichnete sich also eine zunehmende Vielfalt der Belegschaft ab. Die ehemals männlich dominierte Arbeitswelt hatte sich geändert. Heute ist der Anteil der männlichen und weiblichen Arbeitnehmer in vielen Branchen etwa gleich verteilt. Die Altersspanne erstreckt sich von jungen Auszubildenden bis zu älteren Mitarbeitern kurz vor dem Ruhestand. Diese Entwicklung macht es erforderlich, die nun recht differenziert zusammengesetzte Belegschaft anders zu führen. Unterschiedliche Altersgruppen beider Geschlechter wollen mit ihren variierenden Einstellungen, Wünschen und Zielen vereint werden. Es gilt, ihre Vielfalt zum Wohl des Unternehmens in ihrer ganzen Breite zu nutzen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger ist das erklärte Ziel von „Diversity Management“.

Ein Trend, der sich fortsetzt

Arbeitsmarktexperten gehen davon aus, dass Diversity Management in den kommenden Jahren noch weitaus stärker erforderlich ist. In vielen Branchen besteht schon heute ein Mangel an Fachkräften. Gut bezahlte Stellen können nicht besetzt werden, weil ein Berufsbild für junge Menschen nicht mehr attraktiv ist. Besonders in handwerklichen oder technischen Berufen fehlt es an Nachwuchs. Geschuldet ist dies dem demografischen Wandel. Der Anteil älterer Arbeitnehmer und Rentner wird in den kommenden Jahren in Deutschland massiv steigen. In den nachrückenden geburtenschwachen Jahrgängen fehlt es an engagierten jungen Menschen, die sich für diese Berufe entscheiden. Hinzu kommt eine Verschiebung zu Dienstleistungsberufen, sie sind für Schulabgänger und Studienabsolventen zunehmend interessant. Allein die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt macht es erforderlich, neue Fachkräfte zu gewinnen, die vordergründig nicht mehr in das Bild früherer Generationen passen.

Jede Migration fordert Diversity Management

Diversity Management: Menschen mit Migrationshintergrund integrierenAuch die aktuelle politische Situation dürfte nach Ansicht von Fachleuten ein noch weitaus stärkeres Diversity Management nach sich ziehen. Deutschland ist zu einem Zufluchtsort für Flüchtlinge aus unterschiedlichsten Ländern geworden. Junge Menschen möchten sich hier eine Zukunft aufbauen, sie sind motiviert und ambitioniert genug, in Deutschland eine Ausbildung zu durchlaufen. Ältere Arbeitnehmer aus dem Ausland wollen integriert werden, sie sind oft gut ausbildet, kämpfen aber mit Sprachproblemen. Menschen mit Migrationshintergrund sollen in unserer Arbeitswelt integriert werden, doch gerade das stellt enorme Anforderungen an ein durchdachtes und stimmiges Diversity Management. In Zukunft werden wohl vor allem Unternehmen erfolgreich sein, die sich dieser Entwicklung nicht verschließen und die die Chancen und Potenziale der neuen Arbeitskräfte zu nutzen wissen, die dem Arbeitsmarkt in Deutschland zur Verfügung stehen.

KMU noch mit Nachholbedarf

Diversity Management hat in vielen internationalen Großkonzern lange Einzug gehalten. Wer auf den globalen Märkten erfolgreich ist, hat sich mit dem Management der Unterschiedlichkeit der Belegschaft vermutlich bereits beschäftigt. Die Bewältigung von Konflikten, die sich daraus im Arbeitsalltag ergeben, ist im betrieblichen Alltag an der Tagesordnung. Die erfolgreiche Konfliktlösung ist zum Erfolgsgeheimnis mancher Betriebe geworden.
Kleine und mittelständische Unternehmen haben hier noch etwas Optimierungsbedarf. Hier gilt es, bei den Führungskräften das Bewusstsein für die Unterschiedlichkeit der Belegschaft zu schaffen und den wertschätzenden Umgang mit allen Mitarbeitergruppen als Teil der Unternehmenskultur zu forcieren.